Kill List ★★½

This review may contain spoilers. I can handle the truth.

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Ich hörte, um diesen Film gab es einen kleinen Hype? Wirklich? Gut, ich kann mir vorstellen, dass er ganz frisch auf Festivals gezeigt mehr positive Mundpropaganda erzeugt hat, als er eigentlich verdiente. Aber darum geht es ja eigentlich auch nicht.

KILL LIST ist einer dieser Filme, von denen man sagt, man solle sie möglichst ohne jegliches Vorwissen sehen, weil sonst die Überraschung flöten gehen würde. Ganz ehrlich unter uns Pastorentöchtern: Welche Überraschung? Der Film macht recht früh klar, dass er kein gewöhnlicher Hitman-Thriller und auch kein verqueres Familiendrama bleiben wird. Eigentlich muss man auch nur auf das Poster des Films hier bei letterboxd und auf das verwendete Symbol schauen -- was auch gleich im Vorspann verwendet wird. Jeder, der auch nur einen okkulten Horrorfilm gesehen hat, weiß doch dann, wohin die Reise gehen wird, oder?

Soviel also zur angeblichen Überraschung (eine Figur ritzt das Symbol hinter einen Spiegel, Himmelherrgott!). Eine weitere als positiv verstandene Eigenschaft wird wohl desöfteren wie folgt ins Feld geführt: KILL LIST wäre wie ein Fiebertraum. Als Kind hatte ich Fieberträume, in denen Muster auf mich einstürzten. Pures Chaos, sehr unangenehm, schlussendlich aber reichlich sinnbefreit, im Gegensatz zu Alpträumen mit "Handlung", die mich länger verfolgten. So ähnlich geht es mir mit KILL LIST.

Der Film ist atmosphärisch, keine Frage. Er hält ein Maß an Spannung aufrecht, das, trotz der frühen Erkenntnis, wohin das alles führen wird, das Interesse niemals erlahmen lässt. Wenn die beiden Killer mit ihrer Arbeit beginnen, wähnt man sich in einem Strudel geradewegs ins Herz der Finsternis. Das alles gipfelt aber in einer Art Mindfuck um des Mindfuck Willens.

Ständig deutet der Film an, ohne seine Informationen auszubuchstabieren. Das Warum des Kultes kann man sich interpretieren (eine besonders hübsche Version findet ihr in dem Review von Lord Cookie, s.u.), aber der Film ist hier so vollkommen offen, dass man sich schon fragt, ob die Auslassungen nicht nur existieren, weil man in Wirklichkeit keine Ahnung hatte, worauf man jenseits des schnellen Effektes hinauswollte. Es ist wie der kindliche Fiebertraum: chaotisch, unangenehm, im Moment vielleicht auch erschreckend, aber nach kurzer Zeit bleibt ein Gefühl von "Tja." zurück.

So bleibt am Ende von KILL LIST ein Werk zurück, dass eher weniger als die Summe seiner Teile ist. Engagierte Darsteller, hervorragendes Handwerk und eine im Grunde gute Dramaturgie kulminieren in einem Horror-Brei ohne wirkliche Konturen, dessen Effekte viel zu plakativ wirken. Das Ende ist dementsprechend böartig, aber auch wieder eher bösartig um des reinen Effektes Willen, weil KILL LIST kein Interesse daran hat, sein Handeln zu untermauern. Das kann man goutieren oder nicht, mir hatte dieser Alptraum aber letztlich zu wenig Charakter jenseits des Offensichtlichen.

Paranoyer liked this review