Krull ★★★½

Immer wenn der Satz fällt: "Solche Filme werden heutzutage nicht mehr gedreht", denkt der Sprecher wahrscheinlich an die Ära des analogen Monomentalfilms oder auch an New Hollywood zurück. Aber auch "Krull" fällt in diese Kategorie, ein beeindruckend megalomanischer, aber auch gut funktionierender Mix aus Fantasy und Science-fiction voller Herzblut, aufwendigen Sets, hübschen Locations und so viel Brimborium, dass es eine wahre Freude ist.

Probleme gibt es bei allem Spaß natürlich auch: dass die Odyssee beispielsweise ausschließlich von Männern bestritten wird und Frauen eher "plot devices" sind als wirkliche Charaktere. Oder dass der Schurke, das "unbeschreibliche Ungeheuer" (ich kann es besschreiben: Stuntman in Gumminazug) so gut wie gar nicht auf- oder ausgebaut wird (eine Sequenz, die an "Die Schöne und das Biest" erinnert, geht zwar in diese Richtung, jegliche Implikationen werden dann aber wieder fallen gelassen). Auch wirkt der Film mitunter so, als wäre er ursprünglich deutlich graphischer angelegt und dann zugunsten einer Freigabe ab 12 geschnitten worden, was zu einigen Disharmonien führt.

Dennoch eine unterhaltsame Angelegenheit mit einem tollen Score von James Horner, einer klassischen Dramaturgie (die allerdings nicht als Heldenreise taugt - Protagonist Colwyn und seine Föhnfrisur sind wie "Drei Wetter Taft" und halten bei allen Umständen ihre Form) und liebevollen Effekten. Buckle Up!

Disclaimer: Da "Krull" eine meiner frühen VHS-Lieben war, bin ich womöglich nicht ganz unvoreingenommen. Sei es drum.

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