Little Lord Fauntleroy ★★★½

Kitschig ohne Ende, auf eine später von "King Ralph"-übernommene charmante Art konstruiert und mit absoluter Hingabe von Alec Guinness gespielt ist "Der kleine Lord" sehr viel besser, als er jedes Recht dazu hat. Vielleicht mag ich Läuterungsgeschichten von Griesgramen auch, weil das Internet ständig Figuren an die Oberfläche spült, deren Gemütern drei Geister oder, wie in diesem Fall, ein entwaffender kleiner Thronerbe, ganz gut tun würden. Wer weiß. (Ich muss wieder einmal "Kolya" sehen.)

Der Konflikt mit dem vermeintlichen anderen Erben ist obsolet, die Wandlung des Earl wird etwas im Zeitraffer behandelt, Fragen wie jene, ob es nur bei der Symbolpolitik bleibt oder ob etwa den Pächtern wirklich geholfne wird, bleiben dezent ausgeblendet, das Plädoyer für die amerikanisch-britische Freundschaft ist holzhammerartig und klischeetriefend. Und natürlich drückt der Film schamlos jedes emotionale Knöpfchen, das er finden kann.

Es ist die Kraft des Kitsches, die dieser manchmal, wenn er wie hier mit Elan vorgestellt wird, entfalten kann, die den Film rettet. Jetzt verstehe ich, warum "Der kleine Lord" für viele zum Feiertags-Pflichtprogramm gehört. Und man kann schlechtere Wahlen treffen, schon allein, weil dann in mehr Haushalten diese spezifische, wunderbar knirschende und dennoch sorgfältige 80er-Synchro durchs Wohnzimmer schallt.