Macho Man ★★★

Tja nun.

Ich werde nie müde, Menschen zu erzählen, dass es sich bei den Filmen, die im Rahmen von "SchleFaZ" auf Tele 5 laufen, nicht im eigentlichen Sinne schlecht sein müssen. Es ist kein Automatismus. Natürlich sind die "Asylum"-Filme Grütze, weil sie von vornherein auf einen künstlich herbeiprodizierten Trashfaktor hin konzipiert sind, aber vieles sind schlicht Filme, die am eigenen Anspruch gnadenlos scheitern - sprich sie sind das, was das Trash-Kino eigentlich ausmacht. Ständig ruft Ed Wood irgendwo aus dem Hintergrund: "Das wird mit den fertigen Effekten und dem Schnitt ganz toll aussehen!"

Die Filme sind oft über zu lange Strecken langweilig, ja ("Evil Toons"). Sie sind auch manchmal nach heutigen Maßstäben auf eine Art widerlich, dass sie kaum guckbar sind ("Ich - Ein Groupie"). Aber oft genug offerieren sie genug Wahnsinn und Charme, dass sie unterhalten und im Gedächtnis bleiben ("Sunshine Reaggae auf Ibiza", "Slugs" und ja, auf seine zugegebenermaßen extremen Art auch "Daniel, der Zauberer"). Sind das Kriterien eines wirklich schlechten Films? Wohl nur für Zeitgenossen, die immer noch meinen "Plan 9 from Outer Space" wäre der schlechteste Film aller Zeiten. Süß.

"Macho Man", der 80er-Actionknaller aus Nürnberg mit dem schönen René, ist nun ein ganz besonderer Film: er dürfte nicht funktionieren, er dürfte nicht unterhalten, weil ihm so offensichtlich vieles von dem fehlt, was einen "objektiv" guten Film auszeichnet, aber dennoch stehe ich nun hier und muss sagen: "Macho Man" ist ganz großes Kino!

Wenn es mal zu einer Actionszene kommt, sind diese überraschend gekonnt inszeniert (die Barschlägerei!), selbst wenn sie in der hinterletzten Kaschemme stattfinden. Die Schauspieler geben alles und sind so dermaßen 80er, dass es eine wahre Freude ist (die Jacken von René sind zum schreien!). Die Handlung weiß gar nicht, wohin sie eigentlich will, bis sie sich erinnert, dass es ja ein paar Schurken zu vermöbeln gibt. Die Männer sind taff und die Frauen schön, man landet schnell im Bett und der Sexismus des Films ist so platt und so obskur, dass der Zahn der Zeit milde an der ganze Chose nagen kann.

"Macho Man" macht ganz unironisch Spaß, eben weil die Motivation aller Beteiligten stets spürbar ist. Man wollte einen aufregenden Film drehen, egal, ob man nur zerbeulte Autos und muckelige Locations zur Verfügung hatte. Der unbedingte Wille der Menschen, so etwas wie einen ernstzunehmenden Film auf die Beine zu stellen lässt all das Unvermögen in den Details in den Schatten treten. "Macho Man" ist kein per se "guter" Film. Aber das stört in diesem Kontext so wenig wie das charmant-plumpe Lokalmarketing, dass den Film durchströmt.

Anschauen, ihr Schnullis!

So am Rande: Es gibt viele schwarze Menschen als Figuren oder im Hintergrund zu sehen. In den 80ern. In Deutschland! Es ist irgendwie sehr schön, wie der Film ganz nebenbei die nostalgischen Homogenitätsphantasien von AfD'lern und Konsorten demontiert und mit ihnen den Boden aufwischt.

Disclaimer: Ich habe den Film in einer "SchleFaZ"-Aufzeichnung gesehen, die kommentierenden Moderationsparts aber vorgespult, weil ich den Film möglichst unbeleckt schauen wollte. Diese nehmen den Zuschauer oft viel zu sehr aus dem Werk heraus und sind tendenziell zu lang. Eine Einleitung und ein Fazit würden reichen. Vielleicht würden dann auch mehr Menschen erkennen, dass die Filme für sich genommen durchaus Qualitäten haben.

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