Murder Party

Ein recht nah an der No Budget-Grenze gedrehter Horrorfilm von Jeremy Saulnier, der mit „Blue Ruin“ Lorbeeren einheimsen konnte, um sie dann mit dem ähnlich gelagerten „Green Room“ partiell wieder abgeben musste.

Man sieht „Murder Party“ einerseits die handwerklichen Schwächen an, andererseits auch die Liebe zum Kino eines John Carpenters, der hier recht deutlich immer wieder zitiert wird. Gut oder schlecht machen ihn diese beiden Eigenschaften nicht, der cineastische Geigerzähler schlägt erst dank des Drehbuchs und der zerfahrenden Inszenierung ins Negative, die den nur knapp über 70 Minuten langen Erstling sehr viel länger erscheinen lassen, als er es ist. „Murder Party“ verlässt sich voll und ganz auf eine einzelne Idee, nämlich eine Parodie auf die Auswüchse der Kunstindustrie, in der nur der kalkulierte Schock noch zu einer Reaktion führt.

Dementsprechend plant eine Gruppe von Personen, die jedem Kunsthochschulabsolventen schon einmal über den Weg gelaufen ist, die Ermordung des unbedarften Protagonisten Christopher als Happening und künstlerisches Statement. Natürlich geht nicht alles nach Plan und die Beteiligten kommen durch Christopher, durch Zufall oder eigene Dummheit ums Leben, bis am Ende eine Kettensäge ihren Weg in einen Schädel findet. Ach, vergaß ich, dass das Ganze lustig, um nicht zu sagen „ironisch“ gemeint ist und „Murder Party“ quasi damit zum Hipster-Abziehbild seiner eigenen parodistischen Ansätze wird? Sei hiermit getan.

Problematisch wird es, weil Saulnier nur selbst glaubt, dass er hier einen witzigen Film abgeliefert hat und nicht eine leere Hülle mit vorgegebener Coolness und uninteressanten Figuren. Die Gewalt als Handlungselement überrascht nur beim ersten (unbeabsichtigten) Todesfall, ansonsten reitet der Film sein Kunst-Thema so tot, dass nicht nur ein möglicher Diskurs in der Monotonie untergeht, sondern auch der Verdacht aufkommt, Saulnier habe einfach eine sehr ähnliche Szene aus dem weitestgehend unbekannten B-Monsterfilm „Anthony III“ (The Runestone) auf leidliches Spielfilmniveau ausgewalzt. In jenem Film platzt ein Ungeheuer in eine Liveperformance und fängt an, die Künstler zu fressen, während Kunstkritiker daneben stehen und begeistert ob der Darbietung sind. Es ist eine kleine, fiese, durchaus schwarzhumorige Szene in einem ansonsten drögen Film und mit sehr viel mehr Schlagkraft ausgestattet als „Murder Party“.

Saulnier möchte an „Halloween – Die Nacht des Grauens“ erinnern und klaut bei einem „Mann-im-Gummianzug“-Filmchen aus dem Mitternachtsrepertoire des frühen ProSiebens. Irgendetwas ist doch ganz gehörig schief gelaufen.

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