Near Dark ★★★½

This review may contain spoilers. I can handle the truth.

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Kleiner, aber feiner ('tschuldigung) Vampirfilm, in dem die Ideen und Implikationen mitunter besser daherkommen als die Ausführung. Gerade Protagonist Caleb ergibt sich etwas zu schnell in die Situation, nachdem ihm eine Zufallsbekanntschaft in einen Vampir verwandelt hat und auch die wie aus dem Nichts kommende Konklusion, den Vampirismus einfach durch eine Bluttransfusion zu heilen, ist arg holperig.

Hervorragend dagegen sind die Gesetze, nach denen das Vampirdasein funktioniert (die abgeschirmten Autos, der Prozess, wie neue Vampire entstehen) und die abgebildete Gruppendynamik. Die zumindest partielle Allmacht, die mit der Transformation einhergeht (gesteigerte Kraft, Immunität gegen Verletzungen, die nicht den gesamten Körper auf einmal zerstören - ein Pflock würde wohl nicht viel bringen, ein explodierender Truck schon). Man tut alles, weil man es kann, menschliche Moral oder Bedenken haben die meisten Mitglieder der portraitierten Vampirbande bereits weit hinter sich gelassen. Die Sequenz in der Bar ist das Herzstück dieser Studie über die Gefahren, die mit gesteigerter Macht einhergehen. Denn in "Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis" (mal ein hübscher deutscher Untertitel) folgt aus großer Kraft eben keine große Verantwortung sondern nur die Befriedigung der eigenen Gelüste.

Im Grundton erstaunlich melancholisch ist "Near Dark" ein sehenswertes Beispiel für das US-amerikanische Genrekino vor der Welle der möglichst gewalttätigen, möglichst konsequenzlosen Fließbandware. Denn schon allein durch die Tatsache, dass die Familie von Caleb eine entscheidende Rolle spielt und mit der Wandlung zum Vampir nicht einfach das gesamte menschliche Kapitel zugeschlagen wird versucht "Near Dark", unter dem Horror ein menschliches Antlitz zu finden.