NSU: German History X - The Perpetrators ★½

Der erste von drei Filmen über den rechtsextremen Terror, der 2011 als sogenannter „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) bekannt wurde, ist gleich ein großer Griff ins Leere. Angefangen mit der fragwürdigen formalen Entscheidung, den Reigen mit den Tätern zu beginnen, bietet der Film darüber hinaus nicht viel mehr als das übliche rechte Gruselkino á la „Kriegerin“. Eine fahrige Wackelkamera soll Authentizität vermitteln, wenn das Nazitrio Stichworte abfeuert, sich immer wieder von völkischer Musik aufgeilen lässt oder – daran haben diese Filme augenscheinlich ein besonderes Interesse – unfotogenen Sex hat. Dabei ist der Film gar nicht an irgendetwas jenseits des altbekannten interessiert. Da er gleich zu Beginn klar macht, sich sehr viel mehr als Spielfilm denn als dokumentarisch angehauchte Aufarbeitung zu verstehen, erzählt er spekulatives über das arme, schlichte, verführte Mädchen Beate Zschäpe, die in den Wirren der Wendezeit an die falschen Typen gerät und eigentlich mal eher politisch links zu verorten war. Da Zschäpe, wie es sich für eine 08/15-Dramaturgie gehört, als menschlicher Ankerpunkt für den Zuschauer fungiert, redet der Film, bei aller Drastik einzelner Szenen (episodenhaft werden Mütter mit Babys bedroht, Fußgelenke gebrochen und Zähne ausgeschlagen), rechte Gesinnung ein Stück weit klein - die beiden dumpfen Uwes als die Verführer.
Der Film mag ja laut Aussagen von Szeneaussteigern den Weg ins rechtsextreme Milieu recht akkurat darstellen, aber eben weil der Film so sehr Spielfilm ist, oft geradezu in den Darstellungen angespannter Körper schwelgt, offenbart er auch, dass seine Zeit noch nicht gekommen ist. Wer exemplarisch den Weg in eine mörderische, rassistische Gesellschaft zeigen will, der wäre hier mit einem gänzlich fiktiven Werk wohl besser aufgehoben. So werden Vermutungen und Spekulationen, die eigentlich erst im noch laufenden Verfahren gegen Zschäpe aufgearbeitet werden sollen, durch die Macht des Films zu Wahrheiten. „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ spielt damit auch der Überlebenden des Trios in die Hände, die sich den medialen Sexismus ja schon zunutze machte und sich selbst als „armes Frauchen“ stilisierte. Die richtig Schlimmen, dass sind immer die Anderen. Der Film ist, obwohl die öffentlich-rechtlichen Sender auch schon differenzierte Dokus zu dem Thema produziert haben, ein Zugeständnis an ein unterstelltes Zuschauerinteresse, dass Geschichte nur in fiktionalisierter Form goutieren kann und will. Quintessenz: der NSU ist (noch) in Dokumentationen besser aufgehoben, Rechtsextremismus im Film sollte sich von der Legitimation durch derartige reale Ereignisse ein Stück weit emanzipieren – Strukturen und Mechanismen lassen sich genauso gut offenlegen, wenn man sich nicht aus einem wie auch immer gearteten Realitätsanspruchs der Namen realer Täter bedient.
So gibt es in „Die Täter“ denn auch lediglich eine Sequenz, die auf eine Kraft hindeutet, die ihm durch solch eine Loslösung hätte gegeben werden können: als im Fernsehen über die Einschränkung des Asylrechts von staatlicher Seite gesprochen wird, sind die Neonazis begeistert: „Genau unsere Worte!“ Zu Zeiten, in denen Rechtspopulisten und Rechtsextreme in ganz Europa einen ungesunden Zulauf erleben, hätte ein Film mit diesem Sujet durch solche Szenen mehr erreichen können als durch das episodische Abspielen von widerwärtigen Taten, ausgeübt von widerwärtigen Menschen.

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