Okja ★★

Ja, "Okja" hat das Herz am rechten Fleck und möchte, ohne den mahnenden Zeigefinger zu erheben, von den Grausamkeiten der Massentierhaltung berichten. Ein computeranimierter Hybrid aus Flusspferd und Schwein als Stand-In für all die gepeinigten Kreaturen in den Schlachtanlagen der Welt.

Ein durchaus lobenswertes Ziel, dass aber durch die fahrige Inszenierung torpediert wird. "Okja" ist einerseits eine dramaturgisch so biederne Angelegenheit, dass er weitestgehend vorhersehbar wird, andererseits versucht er ständig, sein Korsett durch allerlei schräge Charaktere und meist billigen Humor zu sprengen. Kein großes Studio wollte den Film finanzieren, weshalb der Streamingriese Netflix einsprang, und dennoch wirkt "Okja" wie eine einstmals wildere Angelegenheit, die durch die Einmischung von Studiobossen und Marktforschungsfutzis auf ein "verträgliches Maß" heruntergebrochen wurde. "Okja" hätte mehr Radikalität und auch mehr Pathos durchaus gut zu Gesicht gestanden. Im thematisch nicht unähnlichen ungarischen "Underdog" fand sich mehr Rebellion als in dieser dann doch recht oberflächlichen "Kind liebt Riesenschwein"-Geschichte.

Dabei hilft es auch nicht, dass die Figuren weitestgehend uninteressant sind. Mija hat nicht mehr zu tun, als entrüstet in die Kamera zu schauen, Jake Gyllenhaal gibt den überzeichneten TV-Moderator/verrückten Wissenschaftler (zwei Charaktere in einer früheren Drehbuchfassung?), Tilda Swinton versucht sich am Overacting. Einzig Paul Dano als engagierter radikaler Tierschützer ragt aus dem Ensemble heraus.

Doch auch er kann nicht verhindern, dass der Film unter seiner maändernder Dramaturgie und der erstaunlichen Diskursunfreudigkeit leidet. Auch hier ist wieder das Stichwort Radikalität angebracht, gerade auch im Hinblick auf das Ende, welches natürlich den Film erden soll (es gibt noch so viel zu tun und du als Zuschauer kannst mithelfen!), irgendwie aber wie ein Umschiffen von Optionen wirkt. Auch hier war "Underdog" so viel interessanter, dass man ihn wohl als die gelungenere "Okja"-Variante ansehen muss.

"Okja" ist ein schwach inszeniertes Durcheinander mit einem lobenswerten Kern. Doch so sehr man diesem auch zustimmen kann und möchte, der Film, der ihn transportieren soll, ist bei besten Willen kein großer Wurf.