Ravenous ★★★

Alle Charaktere in diesem kanadischen Zombiefilm haben den Verlust von Kindern zu betrauern. Mal wird es ausgesprochen, mal durch Requisiten wie Bilderrahmen impliziert. Dementsprechend ziellos wandern sie durch das Hinterland des französisch-sprachigen Teils des Landes, denn für was lohnt es sich wirklich noch zu leben, wenn das Liebste fort ist und Menschen dank einer nicht näher definierten Infektion zu rasenden Bestien gemacht werden?

Der sehr viel elegischer als sein Poster suggerierend daherkommende "Hungrig" ist weniger an Zombie-Scharmützeln im "klassischen Sinn" interessiert; er steht der französischen TV-Serie "The Returned" näher als dem dumpfen "The Walking Dead". Mit letzterem verbinden ihn eher Überlegungen wie jene, wie die Serie wohl aussehen würde, wenn sich der Fokus auf winzige, für sich genommen wunderschön-morbide Sequenzen legen würde, in denen Charaktere einen einsam durch ein Feld wandernden Zombie beobachten und sich im Zuge dessen Fragen zu der Sinnhaftigkeit des eigenen Daseins stellen.

Zumal die "Untoten" gar nicht im Sinne des Romero-Zombies tot sind, sondern leben, Restgefühle besitzen und unter der ins Unermeßliche gesteigerten Aggressivität planvolles und sogar kreatives Verhalten an den Tag legen. Der Mensch ist wieder einmal des Menschen Wolf und hier sind die Pole sogar noch näher zusammen als in vergleichbaren Kosmen.

Wenn man "Hungrig" etwas vorwerfen muss, dann ist es seine etwas maändernde Inszenierung, die zwischen all den melancholischen Momenten genau wie die Figuren nicht so recht weiß, wohin es eigentlich gehen soll und dass der Film immer wieder einen so grotesken Humor an den tag legt, der das Unheimliche auf eine in diesem Fall doch unpassende Art und Weise konterkariert (der umherspringende Kalauer-König hätte echt nicht sein müssen). Wenn es um Zombiefilme mit einem tiefen menschlichen Kern geht, ist 2018 der ebenfalls auf Netflix verfügbare "Cargo" die strigentere Wahl.

Dennoch ist "Hungrig" einen Blick wert, schafft er es doch trotz vieler stereotyper Versatzstücke immer wieder Spannung aufzubauen. Zudem geizt er nicht mit unheilvoller Szenerie und die Musik schmiegt sich perfekt an die Bilder dieses traurigen Untergangs an. Ein Film, der mehr nachhallt, als man es meinen möge.

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