Sausage Party ★★★½

Religion ist ein recht einfaches Zielopbjekt für Satire, bieten die fanatischen Anhänger der einen oder anderen Weltanschauung doch in ihrer Engstirnigkeit und ihren Fantastereien eine ausladene Fläche für Gespött.

Filme, die sich kritisch-witzig den letztlich unbeweisbaren Erklärungsansätzen für den Zustand der Welt nähern, gibt es immer wieder: Monty Pythons "Das Leben des Brian", die Dokumentation "Religulous", der unterschätzte "Lügen macht erfinderisch". Wer hätte gedacht, das sich ein Animationsfilm für Erwachsene mit sprechenden Lebensmitteln als Protagonisten mal in diese Reihe gesellen würde.

Subtil ist an "Sausage Party" allerdings gar nichts, weder der Titel noch das Design noch die Intention. Dass es um mißverstandene Religiösität geht, das macht der Film gleich zu Beginn klar, dafür exerziert er seine Idee erstaunlich strigent durch. Gewalttätig wird es auf diesem Weg, sehr gewalttätig, vulgär, abgeschmackt und knirschend.

Und dennoch schafft es der Film, unter all seinen Zoten, seiner Sexualisierung ("Food Porn" bekommt im Laufe des Films eine völlig neue Bedeutung) und seinem Hang zum gröbsten Unfug immer wieder sein eigentliches Anliegen vorzubringen. Sprechende Lebensmittel als Botschafter gegen den blinden Gehorsam weltanschaulicher Monolithen. Es funktioniert besser, als man je zu hoffen wagte.

Ist das geschmackvoll? Auf keinen Fall. Will "Sausage Party" aktiv nur um des Spektakel willens verletzen? Nein. Es ist eine wilde Melange aus pubertärem Stuß und ernsthaftem Anliegen, die erst im Finale nicht so recht weiß, wie sie aus der Nummer wieder herauskommt. Die Revolution ist nur eine Verschnaufpause und was danach kommen soll und kann, davon hat augenscheinlich niemand eine Ahnung.

Im Kontext passend ist es allerdings, der Einfallslosigkeit familientauglicher Animationsfilme mit ihrem immer gleichen Finale einer großen Song 'n' Dance-Nummer eine ausgelassene Orgie gegenüberzustellen. Wo der Phallus seinen Phallus hat (d.h. hier das Würstchen sein "Würstchen"), das mag aber auch "Sausage Paty" nicht zu benatworten- ein Glück.

Auch werden die Regeln dieser Welt nie ganz klar, können doch neben den Lebensmitteln auch Güter wie Klopapier und Intimdusche sprechen. Letztere wird dann zu einem Antagonisten, den es nicht gebraucht hätte, da die Odyssee und der Erkenntnisgewinn, was hinter dem von den Protagonisten herbeigesehnten "Großen Jenseits" wirklich steckt, Plot genug liefert.

Das Würstchen und Brötchen, Bagel und Fladen (den Nahostkonflikt mit Teigprodukten durchzuspielen ist auch so eine Sache, die weitaus besser funktioniert, als es sich anhört) ihre Sexualität (was schreibe ich hier eigentlich?!?) auf jene imaginierte "Zeit danach" verschieben, ist konsequenterweise auch nur die Art von "Sausage Party" zu sagen: Lebt euer Leben jetzt! Wer weiß, was danach wirklich kommt.

Ein obszöner Film, ein vulgärer Film, ein völlig durchtriebener Film. Aber dennoch mehr als nur eine "Toy Story"-Variante für gefühlskalte Sarkasten. "Sausage Party" ist sehenswerter als ich es jemals ernsthaft für möglich gehalten hätte.

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