Schwarz auf Weiss ★½

Ein wahrlich schwer zu bewertender Film, bei dem Intention und Wirkung oft derartig auseinanderklaffen, dass zumindest ich mich für den Daumen nach unten entscheiden musste. Aber der Reihe nach.

Günter Wallraff, seit seiner Zeit undercover bei der "BILD"-Zeitung ein Name im Feld des Investigativen, lässt sich von einer Maskenbildnerin anpinseln und eine Perücke aufsetzen und wird so zu einem Schwarzen, um am eigenen Leib zu erfahren, was nicht-weiße Menschen in Deutschland immer und immer wieder berichten: die hässliche Fratze des Rassimus zeigt sich immer und überall, mal verhältnismäßig subtil, mal mit roher Aggressivität.

Hier beginnt es bereits: ist Wallraff und speziell seine Methode des Erkenntnisgewinns wirklich das geeignete Mittel, um das Anliegen des Films zu transportieren? Denn am Ende des Tages ist "Schwarz auf Weiss" vor allem eine abendfüllende Version des weißen Unglaubens, wenn von den alltäglichen Anfeindungen und Kategorisierungen die Rede ist: "Was, das gibt es? Glaub ich nicht. Du übertreibst doch!"

Wallraff erlebt es dann wirklich, inklusive der Angst, die sich im Angesicht von alkoholiserten, kleingeistigen Fußballfans breit macht, aber er kann eben aus seiner Haut. Er ist derjenige, der nach Drehschluss wieder zur "Norm" zurückkehren kann, der vergleichsweise wenig riskiert hat für Informationen, die er auch aus wirklich erster Hand hätte bekommen können. Die Sequenz, in der zwei schwarze Frauen und ein Kind der Transformation beiwohnen, ist folgerichtig auch einer der traurigsten Anblicke des gesamten Films. Zumal die Frauen sagen, dass sie mit den Problemen, die Wallraff nun episodisch und exemplarisch erlebt, bereits ihr ganzes Leben zu tun haben. Doch immer wieder schiebt sich der grantig dreinblickende Wallraff in den Fokus, er ist hier und nur er.

Die Darstellung ist ein weiteres Problem: so gut wie nie spielt Wallraff mit den Trugbildern der Menschen, nie verhält er sich anders, als es die dünkelhaften Gestalten um ihn herum ohnehin erwarten. Er ist immer der leicht gebrochen Deutsch sprechende Mann mit der Plastiktüte und dem stets wiederholten somalischen Migrationshintergrund, weil sich offenbar auch die Macher des Film nur schwer einen Schwarzen außerhalb der Klischees vorstellen können.

Sicherlich, dies führt auch einiges zutage und die Weißen, denen Wallraff incognito begegnet sind zu einem Großteil ganz furchtbare Zeitgenossen, die ebensolche Dinge von sich geben. Dennoch gibt es keine Varianz im sozialen Exeperiment. So ist es manchmal gar nicht ersichtlich, ob die Menschen auf Wallraffs teils grauenhafte Performance reagieren und die Hautfarbe eben aufgrund der Stereotype, die sie im Kopf haben, damit kurzschließen. Hätten sie anders reagiert, wenn sie einem anderen Bild gegenüber gestanden hätten, dass ihre rassistischen Muster gegen den Strich bürstet? Hätte Wallraff vielleicht sogar das ein oder andere Umdenken iniizieren können anstatt Klischees zu zementieren? Wir werden es nie erfahren.

Es gibt genügend Blogs und Verbände nicht-weißer Menschen in Deutschland, die allesamt gehaltvoller sind als dieser Film. Sie erzählen von einer Lebensrealität jenseits der weißen Mehrheit, von Interaktionen, die für die Betroffenen so schmerzlich sind, dass man sie als Weißer wahrscheinlich nie ganz nachfühlen kann, eben weil man das Privileg besitzt, unabhängig von seiner Hautfarbe gesehen und bewertet zu werden.

Wenn "Schwarz auf Weiss" einer Handvoll Zuschauer gezeigt hat, dass es ein Leben außerhalb ihrer Wahrnehmung gibt und "Farbenblindheit" nur eine Illusion ist, dann hat Wallraff wahrscheinlich seine Schuldigkeit getan. Gut ist sein im besten Fall holpriges, im Schlechtesten Fall trotz vermeintlich edeler Absichten beleidigendes Experiment dadurch trotzdem nicht.