Surviving in Demmin ★★★★

Hoffentlich gibt es in zwanzig Jahren eine Fortsetzung zu diesem Film, in dem das kleine Mädchen, Tochter zweier Interviewpartner, aufgesucht wird. Was wird wohl aus ihr mit Eltern, die zunächst betont neutral auftreten, nur um dann vom "linken Pack" zu schwadronieren, dass es wagt, sich den Rechtsextremen, die in Demmin aufmarschieren, entgegenzustellen, wo man die Leute doch "einfach laufen lassen soll." Zur Konfiktlösung wird dann Waffengewalt ins Gespräch gebracht, mit denen man die Gegendemonstranten einfach niedermähen könnte. Wirklich, was wird wohl aus einem Kind, dass in einer solchen verrohten Atmosphäre groß wird?

"Über Leben in Demmin", der das Schlaglicht auf ein recht unbekanntes Ereignis zum Ende des Zweiten Weltkriges wirft, als sich viele Bewohner des titelgebenden Dorfes aus Angst vor der heranrückenden Sowjet-Armee mitsamt Kind und Kegel umbrachten, ist ein selbst im Angesicht solch radikaler Aussagen bemerkenswert unaufgeregter Film.

Die Beobachtung seziert, die Montage erzeugt eine geschickte Dramaturgie, die vor allem die Erzählungen der Menschen, die 1945 dabei waren, mit der pathethischen, voller Lügen gespickten Inszenierung der Neonazis, die das Gedenken an die Toten für sich vereinnahmen, kurzschließt. Während die Alten ihre damaligen Feinbilder reflektieren und mit der erlebten Realität abgleichen (und zum Schluss kommen, dass sie der Progaganda aufgesessen sind), schwelgen die Jungen in blutrünstigen Darstellungen, die vor allem dem eigenen Hass und der eigenen Hetze Futter geben.

Die Alten kommen zum Schluss "Nie wieder!", während auf den Straßen eine neue Generation Faschisten, die die Konsequenzen ihres Handelns nie erleben mussten, eine Fantasy-Vergangenheit beschwören, die es so nie gab. Auf dem Rücken von Toten, getarnt als Trauermarsch, direkt in eine Zukunft voller neuen Unheils.

"Über Leben in Demmin" ist unheimlich im vollkommensten Wortsinn.