Taxi Zum Klo ★★★

"Taxi zum Klo" wird auch unter dem Genre Komödie eingeordnet, was beim (heutigen) Publikum wohl eine falsche Hoffnung wecken könnte. Wer dumpfen heteronormativen "Tuntenhumor" erwartet (looking at you, "(T)Raumschiff Surprise"), der wird ebenso enttäuscht wie jene, die meinen, mit solch einem Label würde es nicht zur Sache gehen. Hier ist der Sex echt, ungeschönt und eben schwul. Heutzutage ist man geneigt, diesem Umstand nicht allzu viel Bedeutung beizumessen, aber mit dem Blick des (Mainstream-)Publikums des Jahres 1980 rückt sich "Taxi zum Klo" in eine andere Perspektive. Am Ende des Tages ist eine Sexszene zwar "nur" eine Sexszene, egal, welches Geschlecht die Beteiligten haben, aber die Selbstverständlichkeit, mit der der Geschlechtsakt hier gezeigt wird, entbehrt nicht des "Muts", der dem Film immer wieder nachgesagt wird.

So liegt die "Sprengkraft" des Films weniger im expliziten Sex, sondern darin, dass sich das Beziehungsdrama doch geradezu konventionell anfühlt. Sollten zwischenmenschliche Probleme sich etwa in allen Beziehungen ähneln können? Ja mei!
Zwei Menschen, die sich lieben, aber doch nicht recht zueinander finden können, weil die individuellen Vorstellungen von Paarbeziehung und sexueller Freiheit zu weit auseinanderdriften - es geht kaum klassischer. Das ist dann auch so herzerwärmend, chaotisch und traurig, wie es eben sein muss.

Dramaturgisch geht dem Ganzen nach einiger Zeit dann doch die Puste aus, weil man zu viele Schritte vorausahnt und die Inszenierung immer weiter zerfasert. Der Eindruck der Improvisation kann den Film nicht komplett tragen, der Effekt verpufft irgendwann und macht einer Langatmigkeit Platz, die der Film eigentlich nicht verdient hat. Denn immer wieder gibt es groteske und ironische Spitzen, die aus der sympathischen Alltagsbeschreibung herausragen; Dialoge, die so lakonisch vorgetragen werden, dass man aus dem Schmunzeln nicht mehr herauskommt. Warum der Film nach knapp einer Stunde plötzlich didaktisch werden muss und dem unbedarften (Hetero-)Publikum erklärt, dass Homosexualität und Pädophilie nicht gleichbedeutend sind, erschließt sich derweil nicht.

Aufgrund der expliziten Darstellungen und der erfrischend unproblematischen Inszenierung ist es kein Wunder, dass "Taxi zum Klo" als Kultfilm gehandelt wird. Die schönsten Momente findet er aber in der Ruhe, in der Beschreibung des Alltäglichen. Ein sehenswerter Film aus einer vergangenen Welt (der 80er-Charme wirkt stark), egal welchen sexuellen Präferenzen der oder die Einzelne frönt (duh!).