The Birth of a Nation ★★★½

Den Künstler vom Werk zu trennen ist ein Aufwand, den man in letzter Zeit bedrückend häufig treiben muss.

Roman Polanski dreht größtenteils gute, manchmal sogar großartige Filme, auch wenn er ein furchtbarer Mensch ist. Nun ist es eins, wenn man beispielsweise Polanskis "Der Ghostwriter" schaut, der sich von allen Tatbeständen abkoppeln lässt, oder wenn man Nate Parkers "The Birth of a Nation" sieht, dessen Regisseur ebenfalls der Vergewaltigung angeklagt wurde und nun genau so ein Kapitalverbrechen gleich in doppelter Ausführung als zentrale Protagonistenmotivation in den Film integriert. Es ist, gelinde gesagt, schwer zu ertragen.

Dabei macht der einst als Oscaranwärter gehandelte "The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit" als Film, als Drama über ein wenig behandeltes Kapitel der US-Geschichte, nämlich des schwarzen Widerstands gegen die Sklaverei, einiges richtig. Ähnlich wie "12 Years a Slave" gelingt es ihm, das System Sklaverei mit weniger auf Schockeffekten denn auf humanistischen Bruch ausgelegten Blick zu sezieren.

Auch Parker kommt zu dem Schluss, dass es in der grundsätzlichen Ungerechtigkeit nur oberflächliche Profiteure gibt. Die Weißen behandeln die Schwarzen wie Dreck, manche mehr, manche weniger (manche sind geradezu progressiv für ihre Zeit, auch wenn sie selbstredend ebenfalls in einem rassistischen Denken verfangen sind), aber die Gewalt und die Empathielosigkeit, die Entrechtung und der Sadismus sickert von den Plantagen und den Verschlägen auch in die nobelen Anwesen und vergiftet die Seelen. Die Menschen sind miteinander mehr verbunden, als es vor allem den Weißen lieb ist. Unschwer sind Parallelen zur Gegenwart zu erkennen, von tiefen Wunden, die die Gesellschaft bis heute nicht hat vollständig heilen können.

Ärgerlich ist sicherlich die grundsätzliche Ästhetik des Ganzen, das mit dem schlimmen monochromen "Underworld"-Filter den Film ein Stück weit entrückt, als würde er in einem Paralleluniversum ohne Farben und Licht spielen und sich so auch die Möglichkeit nimmt, einen bildlichen Kontrast zu der Schönheit der Welt und der Gräuel, die in ihr geschehen, herzustellen. Selbst als erbaulich interpretiert werden wollende Kerzen spenden keinen Hoffnungsschimmer, im wahrsten Wortsinn.

Auf der inhaltlichen Ebene macht es sich der Film dann wieder nicht so einfach, wie man es vermuten könnte. Er zeigt zerrissene Menschen zwischen kruder Loyalität und dem Wissen um das Unrecht, dass ihnen widerfährt. Zwischen den Zeilen schimmert immer wieder das System durch, dass es geschafft hat, einerseits den Schwarzen einzureden, an ihrer angedichteten Minderwertigkeit gegenüber den Weißen sei etwas dran, andererseits die Weißen davon zu überzeugen, dass sie wirklich die "Herrenrasse" seien. Besonders schmerzlich ist denn auch der Jugendliche, der die Rebellion verrät, weil vor seinen Augen ein Gewaltexzess stattfindet und er als "Dank" gehängt wird. Der Mensch ist komplex und einfach, irrational und gradlinig.

"The Birth of a Nation" (was für eine grandiose Ermächtigung des Titels eines anderen Films, der den Ku-Klux-Klan verherrlicht!) ist wenig subtil. Ob er das angesichts des Themas sein kann oder muss, sei dahingestellt. Gleichzeitig zeigt er sich zu feinen Nuancen fähig. Er bietet pathethische Bilder und arbeitet hart an dem Messias-Status von Nat Turner, der oft seltsam entrückt wirkt. Er macht wütend ob der Geschichte und lässt am Ende die Fragestellung, ob Gewalt ein Mittel der Auseinandersetzung sein kann und darf, bewusst offen, um den Diskurs nicht zu verbauen (im Hinblick auf die Sklaverei kann man nur sagen: Ja, sie war legetimiert, so schwer dieses Urteil auch sein mag).

Die Frau, die die Anschuldigungen gegen Parker und seinen damaligen Zimmergenossen Jean McGianni Celestin (der zusammen mit Parker am Drehbuch zu "The Birth of a Nation" schrieb ...) erhob, hat sich das Leben genommen. Die Vergewaltigung von zwei Frauen wird im Film zum finalen Auslöser für Turners Aufstand, den Parker selbstredend selbst spielt. Parker und Celestin, die womöglich eine Frau vergewaltigt haben, schreiben für Parker eine Rolle, in der er (auch) zum Erlöser vergewaltigter Frauen wird. Dieses Damoklesschwert hängt jederzeit schwer über dem Film und stellt die ideale Trennung von Werk und Auteur in Frage. "The Birth of a Nation" ist ein Film, der den Finger in Wunden legt. Diejenige, die von den Machern an ihn herangetragen wurde, vermag er nicht ganz zu verbergen.