The Cabinet of Dr. Caligari ★★★★½

"Das Cabinet des Dr. Caligari" ist Kino des Sehens, Kino der Blicke. Der alles durchdringende Blick des willenlosen Cesar, der sinistre Blick des titelgebenden Doktors, die Erkenntnis, die sich langsam in den Blick von Francis mischt, die schreckgeweiteten Augen Janes - die Blicke der Menschen durchdringen auch fast 100 Jahre nach der Uraufführung des Films noch das Publikum bis tief hinuter in seine Seelen.

Nicht nur das, der Zuschauer wird auch durch die Ausstattung (man kann nichts als Liebe für die verschrobenen, andersweltlichen Scherenschnittkulissen empfinden) zu einem anderen Blick animiert. Der Film mischt Realität und Phantasie, Traum und Wirklichkeit auf eine Weise, bis beides gleichberechtigt nebeneinander existiert. Die Grenzen verschwimmen, mehr noch, werden geradezu aufgelöst. "Das Cabinet des Dr. Caligari" zeigt mit großer Sogwirkung die Möglichkeiten des Kinos auf. Das Bühnenhafte wird zum Teil des Konzeptes, Theater und Film vereinen sich wie die Realitätsebenen, um etwas anderes, etwas eigenes zu gebären.

Ein Film, der ähnlich wie der zwei Jahre später veröffentlichte "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" dem Wort "unheimlich" ein prägnantes, ein verfolgendes Gesicht verleiht. Cesare, gleichzeitig Bedrohung und bemitleidenswerte Kreatur, ist wie Max Schrecks Vampirfürst ein Charakter, der durch seine Präsenz auch die nächsten 100 Jahre überdauern wird.

Wolle man dem Film etwas vorwerfen, dann sicherlich die sträfliche Unterbeschäftigung der großartigen Lil Dagover. Auch wenn sich selbtsredend auch ihr Blick einbrennt und sie mit allen anderen, inklusive den Zuschauern, in der Herrlichkeit aufgeht.

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