The Exorcist ★★½

"A nice day for an exorcism." Aber ist es auch ein schöner Tag, wenn man den zu diesem Satz gehörigen Film schaut?

"Der Exorzist", einer dieser Filme, der mythisch aufgeladener daherkommt als das finale Produkt zu liefern imstande ist, zerfasert dank seiner maändernden Inszenierung und dem teils unfreiwllig komischen Schnitts beeindruckend schnell. Es wird schnell klar, dass sich der Film nicht entscheiden kann, ob er die psychologische oder die fantastische Route einschlagen will und da er seine Skepsis nur vortäuscht, um dann doch gefälligen Horror zu servieren, wird diese Unentschlossenheit schnell ärgerlich. Leerstellen sind ebenso wenig erwünscht wie Grauzonen.

Der Schnitt ist es aber, der die Dämonenaustreibung immer wieder nahe an den Rand der ungelenken Comedy bringt. Wann immer etwas potenziell grauenerregendes passiert (z.B. der berühmt-berüchtigte "Spiderwalk") schreien alle, Regan bzw. der Dämon veranstalten etwas Budenzauber und dann folgt ein Schnitt zu entweder etwas ganz anderem oder eine Abblende. Was zur Hölle passiert nach dem Schock? Krabbelt Regan einfach wieder zurück in ihr Bett? Hört selbiges in einer anderen Szene einfach plötzlich wieder auf zu wackeln und alle legen sich schlafen, als wäre nichts passiert? Fast jede Horrorsequenz endet vollkommen in der Luft, was natürlich dazu animiert, sie weit weniger furchteinflößender weiterzuspinnen (eine der besten Parodien stammt im übrigen aus der Radioshow "Frühstyxradio": "Sagen Sie, schwebt sie immer so über ihrem Bett?" - "Sonst nie, das isses ja!"). Sicherlich nicht die beste Ausgangssituation für einen Film dieser Art.

Hübsch ist der drückende Grundton des Films (die Sonne scheint hier nur im Irak, nicht aber in den USA) und der Versuch, sich Zeit für die Figuren zu nehmen. Zwar ist nur Jason Miller als der ausbegrannte Karras interessant, aber immerhin bemüht sich der Film hier, wenn man ihm eine gewisse Langatmigkeit sicherlich nicht absprechen kann. Ansonsten ist es ähnlich wie mit vielen Plotelementen, die angerissen und dann wieder vergessen werden - auf den Punkt zu kommen ist nicht gerade die Stärke von "Der Exorzist".

Unangenehm ist darüber hinaus auch die implizierte Verbindung zwischen dem Dämon und seiner Herkunft "aus primitiven Kreisen" (sprich in diesem Fall: dem Nordirak) und seiner "Infizierung" des puren, goldigen, weißen Mädchens aus dem Westen - denn am Ende wird nach langer negierung wieder "arabische Musik" gespielt, wie um zu sagen: "Es war das Fremde, dass hier sein Unwesen trieb und wir wissen ja alle, was besonders fremd ist." Meh.

Am Ende des Tages ist "Der Exorzist" kaum spannend, oft unfreiwillig ein Schmunzeln evozierend, zerstreut und schleppend. Die Atmosphäre löst nie ein, was sie verspricht. Ein Fehltritt, aber immerhin ein schön anzusehender. Und als Klassiker, bei dem die Geschichten und Diskussionen über ihn interessanter sind als das eigentliche Produkt, kommt man wohl ohnehin nicht um ihn herum.

P.S.: Die Dämonfratze in der Dunstabzugshaube hätte man sich wirklich sparen sollen - ein vielleicht noch lustigerer Moment als die fragwürdigen Schnitte.