The Females ★★★½

Das DVD-Cover von "Die Weibchen" wirbt mit dem Hinweis "Der Kannibalenfilm mit Uschi Glas" und eigentlich muss man kaum mehr sagen, um dieses Werk ans Publikum zu bringen.

Außer vielleicht, dass "Gore Hounds" nicht auf ihre Kosten kommen werden, denn wer bei cinematographischen Kannibalen an Vertreter wie aus "Cannibal Holocaust" denkt, der wird hier "enttäuscht". Der vordergründige Gewaltpegel hält sich zurück, an seiner Stelle gibt es aber einen Exploitationfilm (aus Deutschland, wohlgemerkt) par excellence, der 1970 bereits so sehr Siebziger war, dass er das kommende popkulturelle Jahrzehnt gekonnt vorausahnte.

Die Story ist schnell erzählt: Uschi Glas braucht eine Kur und findet sich in einem Bad mit auffallendem Frauenüberschuß wieder. Kein Wunder, denn fast ausnahmslos alle (durchreisenden) Männer werden in der Kurklinik erst für Eskapaden missbraucht und landen dann entweder als Steak auf dem Frühstückstisch (!) oder im Katzenfutter. Übrig bleiben nur groteske Gestalten wie Adam, der Gärtner mit der Werwolfhand und der örtliche Polizeichef, von Hans Korte mit einem absurden Einsatz gespielt, dass es eine wahre Freude ist.

So stolpert die leider ziemlich ausdruckslos agierende Uschi Glas durch das Panoptikum des psychedelischen Aufruhrs und erzählt aufgrund ihres immer weiter schwindenen Widerstands gegen die Machenschaften der Klinikbelegschaft und ihrer "Patientinnen" auch von einer immer weiter fortschreitenden ideologischen Radikalisierung. Der vermeintliche Konsens, dass man Menschen nicht einfach so umbringt (auch, wenn es Männer sind) wird immer weiter aufgeweicht, bis Glas' Eve ganz bei der Sache ist.

Die große Frage ist dann natürlich, ob "Die Weibchen" ein antifeministischer Film ist. Da er kaum echte Stellung bezieht, sondern die radikalen Ecken einer eigentlich vernünftigen Idee als Aufhänger für hemmungslosen Trash nimmt, eignet er sich kaum als Beispiel für einen Film, den sogenannten "Männerrechtler" auf ihren Sitzungen ansehen und goutieren könnten. Er schlachtet Dinge aus, wie es Exploitationfilme nun mal tun und das erwartbar geschmack-, aber nicht hirnlos. Wie erwähnt geht es ihm eigentlich eher darum, sich bei allen guten Vorhaben nicht zu sehr vom Pfad einer, wenn man so will, "Realpolitik" zu entfernen. Kurz: der wichtige Kampf für Gleichberechtigung hört da auf, wenn unbescholtene Personen nur aufgrund ihres Geschlechts in der Kreissäge landen.

"Die Weibchen" ist grell, unterhaltsam, witzig und wahnsinnig. Hemmungslos bedient er sich aus allen möglichen Fundus und wirft seine Versatzstücke in den Häcksler. Das Ergebnis ist dann gestaltungstechnisch zahmer, als man meinen würde (die Kraft liegt bei den Zutaten Sex als auch Gewalt eher im suggestiven), aber auch kohärenter und durchdachter, als man alles Recht hatte es zu erwarten. Und dass er überhaupt zu Überlegungen und Interpretationen wie den obigen anregt zeigt, dass man es hier mit Exploitation-Trash allererster Güte zu tun hat.