The House That Jack Built ★½

Die "Kontroverse" rund um die Gewaltdarstellungen in "The House That Jack Built" entpuppt sich schnell als PR, als willkommene Werbung für den immer gern provizierenden Regisseur Lars von Trier. Und ähnlich wie ein präsentiöser Teenager, der mit seinem "Edge" schockieren will, am Ende des Tages aber eher ermüdend daherkommt (und dies hoffentlich irgendwann selbst einsieht, was man bei von Trier aber wohl nicht mehr erwarten sollte), ist die Geschichte des Serienkillers Jack von einem erstaunlichen Desinteresse an allem geprägt, was diese Art von Film einprägsam machen würde.

Ja, es gibt Gewaltspitzen in diesem Film, die schwer zu ertragen sind. Es werden Kinder erschossen und ihre Körper danach - in Ermangelung eines besseren Wortes - geschändet, weibliche Brüste werden abgeschnitten und Gesichter über den Asphalt geschleift. Das ist alles selbstredend widerlich und verachtenswert, aber von Trier schafft es nicht, über den temporären Schockeffekt etwas mit seinem Setting oder seinen Figuren anzufangen. Es interessiert ihn nicht, wie die Menschen in die Situationen kommen, in denen sie sich dann befinden. Besonders entlarvend sind die Schnitte in der Sequenz mit der Frau und ihren beiden Söhnen. Wie es zu der Jagdszene kommen konnte, darum laviert sich von Trier ebenso herum wie um alles, was Jack als Figur diskussionswürdig machen könnte.

Matt Dillons Jack ist nicht charismatisch. Er ist nicht interessant. Er ist nicht so diabolisch clever, wie er sich selbst wahrnimmt. Ob das alles ein Kommentar an sich sein soll, darum kann man streiten, ebenso wie von Trier selbst in Jack zu finden sein könnte, auf der filmischen Ebene wird "The House That Jack Built" so nur zu einem überlangen Sammelsurium, dass sich dem Antagonisten nie nähern möchte oder kann. Damit wird aber nicht die postulierte Kälte von Serienkillern illustriert, sondern der Film wirkt blutleer (pun intended).

Manchmal blitzen Begebenheiten auf, die auf etwas Größeres hindeuten. Wenn Jack einen Monolog darüber startet, dass er als Mann ja qua Geschlecht von Geburt an schuldig ist, nur um dann die unterstellten Erwartungen auf brutalste zu erfüllen. Oder wenn seine Pedandterie ihn immer wieder zu einem Tatort zurückkehren lässt, weil ihm immer neue Orte einfallen, an denen noch Blut kleben könnte. Doch diese Anflüge von Dynamik, von verquerem Humor und von Spannung bleiben bei einer Lauflänge von über zwei Stunden eher die Ausnahme, da man sonst mit so furchtbaren Dialogen wie denen zwischen Jack und seinem ersten Filmopfer Uma Thurman oder den küchenpsychologischen Ansätzen mit Jacks Kindheit gestraft wird.

Eins muss aber gesagt werden: wenn Jack am Ende durch seinen eigenen Hochmut den Weg ins Höllenfeuer findet (überhaupt ein hübsches Ende, dass den vorangegangenen Film nicht verdient hat) und der Soundtrack "Hit the Road Jack" anstimmt, ist dies der vielleicht beste Moment des Films. Und plötzlich wird gewahr, dass "The House That Jack Built" womöglich ein besserer Kurzfilm als ein uninteressant-ausufernder, kalkulierter Kino-Tabubruch gewesen wäre.