The Jungle Book ★★½

Vielleicht sollte ich damit beginnen, dass ich kein Fan des Disney-Zeichentrickfilms „Das Dschungelbuch“ bin. Die Episodenstruktur ist für jüngere Zuschauer sicherlich geeignet, für Erwachsener verströmt der Film von 1967 dann doch meist eher gepflegte Langeweile.

So muss man der Neuauflage, die zu 99% im Computer entstand, immerhin eins zugutehalten: sie führt auch Verächtern wie mir vor Augen, was der Zeichentrickfilm alles richtigmachte. Plötzlich vermisst man die Beatles-Geier, die distinguierte Art von Shere Khan, die generelle Abstraktion des Mediums, zu dem der sich selbst auf größtmöglichen Realismus trimmende „The Jungel Book“ nicht willens und nicht fähig ist. Die Neuinszenierung von Jon Favreau (aus mangelnder Kenntnis kann ich nicht zur Vorlagentreue gegenüber den Büchern von Rudyard Kipling sagen) ist ein visuell doch recht hässlich geratender Film, in dem kein Platz für Leerstellen, Phantasie oder Freiheiten ist. Man schaut unentwegt auf technisch durchaus virtuose Bilder, die aber auf Dauer deprimierende Farben und leicht unangenehme Tiere präsentieren. Das „Uncanny Valley“ lauert hinter jeder Ecke.

Dramaturgisch folgt „The Jungle Book“ einer so vorhersehbaren Route, dass man sich fragt, für wen der Film eigentlich gedacht ist. Als Erwachsener, Kino-erprobter Zuschauer kann man so gut wie alle Handlungen der Figuren voraussagen (ja, auch Khans Mord), Kinder werden so gleich auf die Wiederkehr des Immer-Gleichen Musters vorbereitet. Oder auf ewig verschreckt, denn wenn die 60er-Version farbenfroh und letztlich lebensbejahend war, ist „Das Dschungelbuch“ anno 2016 unnötig düster und „mean spirited“, wie der US-Kritiker sagen würde. So verwundert es nicht, wenn auch der Showdown generisch und gewalttätig gerät. Sicherlich war das Anbinden eines brennenden Astes an Khans Schwanz 1967 auch kein feiner Zug, war aber nicht so endgültig wie hier. Wie meist in Hollywood gilt auch hier: dem Feind ist nur mit totaler Vernichtung beizukommen. Herzallerliebst.

„The Jungle Book“ ist ein unnötiger Film ohne Kraft und Würde. Rasant, ja, aber auch ohne Herz. Man fragt sich schon, was in den Köpfen von Menschen vorgeht, die Filme ihrer Kindheit ansehen und denken: „Ganz nett, aber zu wenig Action und lebensbedrohende Sequenzen, die Alpträume heraufbeschwören können. Wir brauchen eine Neuverfilmung, die genau das einlöst.“ Sicherlich, man sollte die Angstlust seiner jungen Zuschauer nicht unterschätzen, aber insgesamt ist „The Jungle Book“ zu wenig konstruktiv. Ein paar helle Sequenzen inmitten eines Meeres aus matschiger Düsternis sind da zu wenig. So ist „The Jungle Book“ wohl eher unfreiwillig ein Film, der einiges über die momentane Medienlandschaft aussagt. Dies schmeichelt ihr allerdings weit weniger, als es ihr lieb sein sollte.

Report this review