The Kangaroo Chronicles ★½

Ein Film mit solch angezogener Handbremse, dass er sehr viel mehr langweilt als unterhält, was bei der absurden, witzigen und kämpferisch-politischen Vorlage quasi dreimal erstaunt.

Nun ist der Kosmos von "Die Känguru-Chroniken" vielleicht nicht der über alle erhabene Geniestreich, wie es der Hype vermuten lassen könnte, aber die Bücher von Marc-Uwe Kling sind in ihrer Gesamtheit ein kurzweiliger, manchmal dadaistischer, manchmal aufklärerischer Mix, der, wenn auch nicht immer treffsicher, in seinen besten Momenten wirklich zum schreien komisch ist (das Hörbuch, von dem immer wieder als "Erweckungserlebnis" berichtet wird, habe ich nicht gehört - solange nicht Jürgen von der Lippe das Känguru spricht, habe ich daran auch ehrlicherweise kein Interesse).

Davon spürt man im Film recht wenig. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Känguru über die aerodynamischen Eigenschaften von Hunden referiert, ist alles noch einigermaßen in Ordnung, auch wenn sich schnell abzeichnet, dass sich das abstruse Universum, in dem dies alles spielt, nur bedingt für ein visuelles Medium eignet. Viel geht sofort verloren, wenn man den gemächlichen Wahnsinn bebildert, für Nuancen ist überhaupt kein Platz. Sobald die Handlung einsetzt, in der sich Marc-Uwe, das Känguru und ihre Spießgesellen gegen einen rechten Immobilienhai und die Gentrifizierung ihres Viertels zur Wehr setzen, weiß der Film nicht mehr, wo er den Charme und die Phantasie der Vorlage unterbringen soll.

Die Handbremse zieht immer weiter an, man macht sich über Neonazis und Rechtspopulisten lustig, ohne dabei wirklich in die Vollen zu gehen. Rechte sind halt doof. Danke, das wussten wir auch schon, aber eigentlich ist die Vorlage klug genug, auch die Mechanismen und vor allem die Folgen rechten Denkens zu sezieren. Der Film tut sich schwer damit. Alles wirkt seltsam brav, nichts beißt wirklich, nichts überrascht. Winzige Vignetten während einer Party deuten etwas an, die Verzahnung allerlei menschenverachtender Denkweisen, die sich im Sammelbecken einer rechtsextremen Partei sammeln, aber die Momente, in denen der Film so ganz bei sich ist, sind rar gesät. Wenn die Bücher politisch waren, so ist es der Film nur an der Oberfläche, so wie KRIEGERIN nur ein Feigenblatt in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus war.

(Von einem sprechenden Känguru zu KRIEGERIN. Zu was treibt mich dieser Film?)

DIE KÄNGURU-CHRONIKEN ist langweilig, nur selten sind die Gags so zündend, wie sie sich selbst augenscheinlich empfinden, das durchgeknallte Tempo der Vorlage, dass selbst dann noch zu spüren war, wenn die Figuren nur diskutierend auf der Couch lümmelten, weicht einer genügsamen 08/15-Filmdramaturgie ohne echte Highlights. Die Fortsetzung wird, fürchte ich, unumgänglich sein.

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