The King's Choice ★★★★

Geschichte erfahrbar machen und sie gleichzeitig in das Konstrukt eines möglichst global goutierbaren Spielfilms gießen - keine allzu leichte Aufgabe, wenn man es sich dann auch noch offenbar zum Ziel gesetzt hat, auf Hollywood'eske Heroisierung und Pathos weitestgehend zu verzichten. "The King's Choice - Angriff auf Norwegen" gelingt die Gratwanderung.

Der Film über den Angriff Nazideutschlands auf Dänemark und Norwegen und die strikte Weigerung des amtierenden Königs Haakon VII. von Norwegen, mit den Invasoren und vor allem der selbstgernannten Regierung aus Kolloborateuren unter Vidkun Quisling zusammenzuarbeiten, zeigt bewusst wenig von dem, was in Zeiten des Interntsprechs wohl als "Kriegspornographie" durchgegangen wäre. Egal ob es um die Versenkung eines deutschen Kriegsschiffes im Oslofjord, den Kampf von Midtskogen oder das Bombardement von Nybergsund geht, Regisseur Erik Poppe zeigt das nötigste und ergötzt sich nicht am Leiden von Menschen oder rekonstruiert minutzös jeden Kugeleinschlag. Ihre Wirkungen verfehlen die Sequenzen dennoch nicht, was an Poppes souveräner Regie liegt.

Vor allem ist "The King's Choice" ein Schauspielerfilm, ein Film der Worte und der Gedanken. Es zerreißt nicht nur die Figuren bei dem Versuch, in einer Zeit wie 1940 einen Weg zu finden, sondern der Zuschauer wird mit ihren Dillemata gleich mit konfrontiert - auf unauf- aber eindringliche Art und Weise. Egal ob König oder Gesandter des Deutschen Reiches (der gleichzeitig verzweifelt wie verbissen darum kämpft ein gutes Leben im Falschen führen zu können), sie alle ringen um den Erhalt von so etwas wie Zivilisation im Angesicht des längst begannenen Zivilisationsbruchs.

Am Ende kann der König nach Norwegen zurückkehren. Der Krieg ist gewonnen, die Nazis besiegt, sein Land wieder frei, Quisling wird mit dem Leben bezahlen. Sein geliebter Enkel ist ihm entfremdet, das Leid der Besatzung wird noch lange nachhallen, seine Entscheidungen werden, auch wenn sie als konsequent und standhaft angesehen werden, ihn mit allen Auswirkungen beschäftigen. "The King's Choice" ist letztlich - und das ist bei Aufarbeitungen des Zweiten Weltkriegs berechtigterweise unausweichlich - auch ein Film über die Sinnlosigkeit derartiger Konflikte. Wenn es heißt, dass der Krieg keine wirklichen Gewinner kennt, dann ist "The King's Choice" ein besonnenens Mahnmal für diesen Ausspruch.

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