The Kings of Summer ★★½

Drei männliche Jugendliche wollen ihrem Leben entfliehen und beginnen zum Start der Sommerferien damit, ein Haus im Wald zu bauen. Der eine versucht im weiteren Verlauf, sich einen Pornoschnäuzer wachsen zu lassen, der andere ist so blöd und glaubt, das portionierte Hähnchen wäre im Wald gefangen und der Dritte ist jemand mit ernsthaften psychischen Problemen, der irgendwann sicherlich in einem Amoklauf die halbe Stadt zusammenschießen wird.

Überhaupt hängt oft eine ungute zweite Ebene über dem, was uns "Kings of Summer" als quirlige Indie-Coming-of-Age-Geschichte verkaufen möchte. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Vater geht ein Hammer in Zeitlupe auf einen Nagel nieder, das Lieblingsequipment eines Charakters ist die Machete, in einer anderen muss man Sorge haben, dass einem Polizisten á la "Scanners" der Kopf gesprengt wird und am Ende bereitet sich oben genannter Dritter, losgelöst von der Kontrolle seiner sich im Leben weiterbewegenden Freunde, womöglich auf den unterstellten Anschlag vor.

Gemeint ist das alles nicht so, schon klar, aber würde man andere Musik unter all diese und weitere Szenen legen, die Wirkung wäre die eines Psychothrillers. Oder gleich eines waschechten Horrorfilms. Wohlwollend kann man dem Film noch einen Willen zur Illustrierung der oft widersinnigen Gefühle der Pubertät unterstellen und mitunter funktioniert sogar der plakative Symbolismus (die Autos, die am Ende in unterschiedliche Richtungen fahren! Wie simpel, wie wahr), aber vor allem die an irgendwelchen ungeschriebenen Regeln des US-Indiekinos orientierte Charakterisierung macht "Kings of Summer" oft anstrengender, als es sein muss.

Die Erwachsenen sind alle so bemitleidenswerte Karikaturen, dass es keine Freude macht, ihren Ausfällen beizuwohnen. Als hätten sich Außerirdische Hüllen übergezogen und imitierten nun ein Zerrbild von Menschen. (Ein besonders dummes noch dazu: kann die Polizei wirklich nicht ein kaum abgelegenes, gut erreichbares Waldgebiet durchsuchen?) Die Protagonisten sind derweil kaum interessanter, weil sie über weite Teile etwas zu sehr wie weiße Blätter wirken, auf die man die Eigenschaften auftragen kann, die man in ihnen (und sich selbst) sehen möchte.

Natürlich ist "Kings of Summer" eher eine Allegorie, ein Märchen, denn eine "ernsthafte" Angelegenheit. Aber abseits von den üblichen Tropes des Erwachsenwerdens hat der Film kaum etwas zu sagen. Das ist meist von der handwerklichen Seite aus hübsch anzusehen und mitunter funktioniert auch einer der arg forcierten Gags, aber als Gesamtwerk kann "Kings of Summer" nicht überzeugen. Zu aufgesetzt ist das Drama (besonders der dritte Akt gerät völlig außer Kontrolle), zu beliebig die Dramaturgie.

Die Sommerferien als quasi US-amerikanischer Mythos, sie sind hier nur eine Blaupause für eine Art Discountversion von "Stand by Me".