The Other Side of Hope ★★★★½

(Mein erstes Mal Aki Kaurismäki. Bitte verzeiht mir, wenn die Gedanken etwa zur Form in diesem Review für euch kalter Kaffee sind.)

Ein Film, so weit jenseits von allem Lärmenden, wie es nur irgend geht, angesiedelt in einer Welt voller wunderbarer Anachronismen (die Schreibmaschine auf der Polizeistation!) und doch voll und ganz in der Gegenwart (die Erwähnung der Terrororganisation IS datiert).

Durch die zarte Verknüpfung zweier Neuanfänge stellt "Die andere Seite der Hoffnung" (eine hübsch-poetische Bezeichnung für die Landstriche jenseits der aktuellen Krisenherde der Welt, die gleichzeitig durch den Film dank der rassistischen Schläger nicht durchweg positiv für die Geflüchteten gesehen werden) subtil die Frage nach der humanistischen Rechtmäßigkeit möglichst ausgedehnter Abschottung. Nur qua Geburt darf der eine seinen Job kündigen und ein Restaurant erwerben, um damit sein Glück zu suchen, während der andere hoffen und bangen muss und dann doch in eine Stadt zurückkehren soll, die größtenteils in Schutt und Asche liegt.

Es ist keine blinde "No Border!"-Politik, die Kaurismäki hier verfolgt, er stellt lediglich den Umgang mit Flucht und Vertreibung durch jene Länder in Frage, die sich dank ihrer geographischen Lage weitab von Verantwortungen wähnen. Es geht ihm um die Menschen und nur um die Menschen, losgelöst von rechten oder linken Identitätsdiskursen.

Durch die fortwährende Erwähnung von "guten Menschen", die Khaled und Miriam geholfen haben, verknüpft Kaurismäki den stillen Wunsch, dass die "schweigende Mehrheit", die so gern aus extremistischen Kreisen beschworen wird, dem Altruismus und der Menschlichkeit zuneigt ist und nicht ihren menschenverachtenden Gegenteilen; dass mehr Menschen so unkompliziert-heldenhaft sind wie der korpulente Finne, der einem Rassisten nonchalant seine Flasche über den Kopf zieht, als dieser versucht, Khaled anzuzünden.

Lakonisch und mitunter äußerst witzig mit Gags, die teilweise auch aus "Die nackte Kanone" hätte stammen können, hier durch das Setting und den Ton aber noch einmal eine neue Note verliehen bekommen, ist "Die andere Seite der Hoffnung" ein Film der kleinen Gesten, eine Handreichung für Mitmenschlichkeit, in der auch die illegalen Aktivitäten wie die Ausweisfälschung nur immer wieder die Gerechtigkeitsfrage neu stellen.

Ein Film, der aussieht wie eine Welt aus den 1970ern mit Themen der 2010er Jahre, inszeniert für eine zeitlose Rezeption. Ohne Mühen hat Aki mein Herz und mein Hirn erobert.