The Shape of Water ★★½

Es gibt medial kaum etwas frustrierenderes, als einen Film, in den man einiges an Erwartung gesetzt hat, er aber nicht in der Lage ist, diese (für einen persönlich) zu erfüllen. Dabei habe ich mit dem Plakativen, das mir "Shape of Water - Das Flüstern des Wassers" vorsetzt, sogar gerechnet. Das Fremde ist nur so lange fremd, bis man es kennenlernt, manche Menschen werden dazu niemals bereit sein und lieber auf Vernichtung setzen, etc. Die moralischen Absprüche des Films sind gut und gerecht, x-mal bereits dagewesen aber was soll es, wenn die Intention stimmt.

Und genau hier liegt einer der Knackpunkte von "The Shape of Water" - er handelt gar nicht nach den eigenen ehrvollen Zielen. Um es konkret zu benennen: nachdem der Fischmensch/-gott Giles' Wunden geheilt und seine Haare wieder zum wachsen gebracht hat, sagt er Elisa, dass sie ihn (die "Kreatur") unbedingt noch etwas länger bei sich behalten sollten. Elisa lächelt zustimmend. Die beiden, die mit der Hilfe anderer Menschen den aquatischen Humanoiden aus den Fängen des schattierungslos bösen Strickland gerettet haben, wollen ihn in letzter Konsequenz ebenfalls ausnutzen. Es ist so praktisch, dass wenn sich das "Monster" als nützlich erweist - als Heilsbringer oder als Liebhaber.

Wo wir schon beim nächsten Versagen sind: die Liebesgeschichte, ein Versuch, "Die Schöne und das Biest" neu zu erzählen, ohne den oberflächlichen Nachplapperern wieder etwas vom Stockholm-Syndrom mit an die Hand zu geben, funktioniert überhaupt nicht. Inszenatorisch bleibt der Film so sehr bei Elisa (wie wenig sich der Film um den Amphibienmenschen als Charakter schert, ist schon beeindruckend - er bleibt stets nur Symbol), dass, als es dann (recht schnell) zum artenübergreifenden Sex kommt, es eher wie ein Ausnutzen der Situation wirkt. Elisa nimmt sich das, was sie will, was ihr Partner in seinem tiefsten Innern davon hält, bleibt nebulös. Dies, verbunden mit dem wohl witzig gemeinten, aber entlarvenden Satz von Giles, gibt dem Ganzen etwas, dass man getrost als "Geschmäckle" bezeichnen darf.

Die Machtverhältnisse sind also recht seltsam, aber auch sonst ist Guillermo del Toros Film eher ein breiiges Best Of seiner bisher in Filmen zu begutachtenen Leidenschaften. Die Vergangenheit ist ein bunter Fantasyort, in dem Marginalisierte trotz Anfeindungen gut leben konnten, wenn sie nur zusammenarbeiten, die Verweise auf die Monsterfilme der Epoche sind dadurch, dass der Filme wie eine sanftmütige Variante von "Der Schrecken vom Amazonas" gesehen werden möchte, abgehakt und etwas Melange aus Märchen und Realität wie in "Pans Labyrinth" gibt es auch, nur dass del Toro bei letzterem als deutlicher Sieger vom Platz ging. Überhaupt versucht "The Shape of Water" etwas zu sehr, viele seiner knirschenden Zahnräder durch den Verweis auf die märchenhafte Struktur zu kaschieren.

Ein Film, der alles richtig machen will und letztlich an seiner eigenen Überfrachtung (Monster! Spione! Kalter Krieg! Rassismus! Toxische Männlichkeit! Liebe!) und dem Unvermögen, dem Ganzen ein schlagendes Herz zu geben, schneitert. "The Shape of Water" ist mehr Ausstellungsstück als alles andere, zweifellos gewissenhaft inszeniert und gespielt (was Shannon aus seiner eindimensionalen Rolle herausholt ist ebenso beeindruckend wie Hawkins' Darbietung), aber auch auf eine Art blutleer, die man del Toro gar nicht zugetraut hätte. Tolle Kostüme, tolle Sets und tolle Maskeneffekte im Dienste eines fahrigen Drehbuchs, dass den Film unnötigerweise auf zwei Stunden streckt. Schade um all das verschenkte Wasser.

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