The Snowman

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Wenn man etwa 15% der angedachten Szenen nicht filmt, muss man sich nicht wundern, dass es beim Schnitt Probleme gibt.

"The Snowman", basierend auf dem siebten Roman der Harry Hole-Reihe von Bestseller-Autor Jo Nesbø (dem man nicht verdenken kann, dass er mit diesem Film möglichst wenig zu tun haben will), auserkoren als erster verfilmt zu werden (der erste Band der Serie spielt in Australien, was wohl nicht zum internationalen Bild der "Nordic Noir"-Filme gepasst hätte), ist eine Katastrophe. So sehr und so offensichtlich, dass er fast in das Gebiet des "so bad it's good" gerät. Mit Betonung auf "fast", denn trotz des sich ausbreitenden Wahnsinns, der durch die vielen Anschlussprobleme entsteht, ist das Endergebnis vor allem eins: stinklagweilig.

Irgendwann weiß man nicht mehr so recht, wie viel man den fehlenden Sequenzen anlasten kann und ob der Film nicht auch so dramaturgische Probleme gehabt hätte. Hinzu kommen recht unmotiviert agierende Schauspieler (selbst der sonst verlässliche Michael Fassbender scheint nicht so recht zu wissen, was er hier eigentlich soll), ab und zu taucht Val Kilmer (!) auf, dann wird gemordet oder man sitzt in einer leeren Bibliothekt herum. Der Film ist ein einziges "Häh? Was? Warum? Huh?" in Dauerschleife, bei dem man sich einiges erschließen kann, der aber kaum so etwas wie einen organischen Fluß aufweist.

Am tollsten aber ist, dass Harry Hole irgendwann von Oslo in die Telemark fährt, die knapp vier Stunden westlich der norwegischen Haupstadt liegt. Er fährt aber im Film dorthin über die berühmte Atlantikstraße, die fast acht Stunden Fahrtzeit nördlich von Oslo an der Küste liegt. Ein ganz schöner Umweg nur für ein paar pittoreske Aufnahmen.

Jo Nesbø ist der Lieblingsautor meiner Frau und sie ist nach etwas über einer Stunde teils aus Langweile, teils aus Protest, eingeschlafen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sie hier die eindeutig bessere Wahl getroffen hatte als so Deppen wie ich, die sich diesen Film bis zum bitteren Ende (und der in diesem Kontext geradezu verzweifelten Anmoderation eines Sequels) angetan haben.