Train to Busan ★★★★

Es war wohl noch nie die Aufgabe des Zombiefilms, subtil daherzukommen. Die Deutungen liegen meist deutlich an der Oberfläche des Spektakels und der Untote selbst ist schon qua Definition eine Projektionsfläche für Entmenschlichungen aller Art.

So ist es auch in südkoreanischen Beitrag zum Genre schnell klar, um was es geht: um den Widerstreit zwischen enthemmten, im wahrsten Sinne über Leichen gehende Kapitalismus und seinen Strömungen, in denen menschliche Regungen noch möglich sind. Der Vater, der nicht nur seine Elternrolle im Angesicht der Gefahr wieder wahrnimmt, sondern auch von den selbstsüchtigen Maximen seiner Zunft Abstand nimmt, steht in überdeutlichen Kontrast zum skrupellosen Anzugsmenschen, der irgendwann gefühlt im Minutentakt aktiv für den Tod unbedarfter Mitreisender verantwortlich ist. Es ist nicht das System per se, dass Menschen korrumpiert, es ist der Nährboden, auf den er im Individuum trifft.

So ist „Train to Busan“ auch ein Film über den Kontrast zwischen verkapselten und zugelassenen Emotionen. Während die einen nur die Angst und den Hass kennen, lassen sie anderen sich auch von einem Altruismus leiten, den man sich mehr in der Welt wünschen würde. Solidarität ist hier keine leere Phrase – auch so ein wiederkehrendes Motiv seit den durchaus progressiv zu lesenden Apokalypsen eines George A. Romero.

So gelingt „Train to Busan“ etwas, dass nur wenigen Zombiefilmen glücken will: er präsentiert im Gro sympathische Figuren. Charaktere, die nur als Kanonenfutter eingeführt werden, fehlen, und die Entwicklung der Hauptfigur fühlt sich genuin an. Hinzu kommen bemerkenswert effektive „tear jerker“-Momente und dass sich ehrlich Zeit zur Reflektion der Ungeheuerlichkeit der Situation genommen wird ist allein schon eine lobende Erwähnung wert.

„Train to Busan“ ist ähnlich wie der untergegangene (und unterschätzte) Schwarzenegger-Film „Maggie“ im Grunde ein hochemotionales Drama, in dem zufälligerweise auch Zombies vorkommen. Wenn erst der Untote die Menschlichkeit erwecken kann, hat „Train to Busan“ dabei ganze Arbeit geleistet.

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