Walking With Dinosaurs

Erinnert sich noch jemand an den Mini-Hype, den die BBC-Reihe „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ Ende der 1990er auslöste? Die Dokumentarserie verband Computeranimationen mit hübschen Animatronics und hatte sich auf die Fahnen geschrieben, die Welt der Dinosaurier und anderer ausgestorbener Tiere gemäß des (damaligen) neusten Stand der Wissenschaft darzustellen. Es folgten Specials, erdgeschichtliche Pre- und Sequels. Das Ganze war manchmal etwas langatmig erzählt (was wohl auch dem deutschen Sprecher geschuldet war), aber dennoch innovativ und informativ. Die Detailliebe ging so weit, dass man aus den realen Landschaften, in die dann die Urzeittiere hineinkopiert wurden, das Gras heraus retuschierte – denn Gräser entwickelten sich erst nach dem Ende der Dinosaurier.

Derlei Dinge interessieren die gleichnamige Kinoadaption von 2013 nicht. Wieder werden Animationen in „echte“ Umgebungen eingefügt, aber Gräser gibt es beispielsweise zuhauf. Und die Geschichte, in der TV-Serie in der Manier moderner Tierdokumentationen mit Protagonisten und Handlung erzählt (á la „Das Tier begibt sich nun auf die Wanderung, die seine Spezies einmal im Jahr antritt.“), wird hier durch enervierendes Voice-Over erzählt. Hier und da werden einige Informationsfetzen eingefügt, in erster Linie geht es dem Film aber um die launige Präsentation der scheinbar einzigen Story, die sich mit Dinosauriern im Kino erzählen lässt: eine große Migration und die Erlebnisse einiger junger Exemplare eines Herbivoren, die gelegentlich von den bedrohlich inszenierten Beutegreifern attackiert werden. Garniert man das Ganze mit einem beleidigend-dummen Humor und Charakterisierung aus der Mottenkiste kommt dann eben „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ heraus.

Dabei ist die Lösung des Ganzen denkbar einfach: würde man die Stimmen der Dinos weglassen und den Film im Stil eines weitestgehend unkommentierten Ganzen abspielen (wie es Disney dereinst mit seinen Versuch eines Urzeit-Blockbusters einmal angedacht hatte), der Film hätte eine ganz andere Qualität und könnte dementsprechend auch anders wirken. Mehr noch, er würde auch eine eigene Identität neben der Serie und dem Gro der modernen Animationsfilme finden. Doch das Vertrauen in die Kraft der Bilder war dann augenscheinlich doch nicht groß genug. Woher diese Angst vor der Leerstelle kommt? Es darf wird spekuliert werden.

Fazit: es ist einfach kein gutes Zeichen, wenn die Geschichte von einem prähistorischen Vogel namens Alex erzählt wird, der in der Synchronisation das Timbre von Otto Waalkes besitzt. Wer sich wirklich in das „Reich der Giganten“ zurückversetzen möchte, der kann der Dokureihe getrost vertrauen. Diesem viel zu spät zur Party kommenden Gast, der alle nur irritiert, dürfen Sie dann ohne schlechtes Gewissen den Rücken zudrehen.

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