Where to Invade Next ★★★★

Wer von Michael Moore auch in seinem neusten Film eine ausgewogene Darstellung seines Sujets erwartet, der hat wohl auch bei „Bowling for Columbine“ gedacht, dass die NRA besser davon kommen würde. Gewohnt polemisch reist Moore in „Where to invade next“ durch diverse, hauptsächlich europäische, Länder, um sich dort Anregungen für etwaige Verbesserungen US-amerikanischer Missstände – von der Gefängnispolitik bis zum Schulessen – zu holen. Die Montage ist wie immer lenkend, die Auswahl der Themen Rosinenpickerei, die Schlüsse einfach und in der Theorie auch dementsprechend simpel umzusetzen – kurz gesagt, „Where to invade next“ ist ein Moore aus dem Bilderbuch und meist unglaublich unterhaltsam und kurzweilig.

In seinen besten Momenten ist es linkes Kino im besten Sinne, interessiert an Veränderungen, die allen zugutekommen würden, die eine Gerechtigkeit für alle, nicht für wenige Auserwählte, anstreben. Man kann nur darüber spekulieren, wie viel konservatives Zähneknirschen beispielsweise Moores Eingeständnis in den USA ausgelöst haben dürfte, wenn der Gründermythos des Landes folgerichtig mit dem Ureinwohner-Genozid und der Sklaverei kurzgeschlossen wird.

Das die Welt komplexer als ein Film wie „Where to invade next“ daher kommt und auch die besuchten Länder ihre massiven Probleme haben, ist klar. Vielmehr geht es um den Entwurf eines Utopias, eines Landes, das dem Selbstverständnis der Vereinigten Staaten deutlich näher kommen würde, als jene USA, die gegenwärtig zwischen Atlantik und Pazifik anzutreffen sind. Es ist eine Phantasie, ein Wunschtraum, getrieben von der dann sehr optimistischen Vorstellung, dass Menschen unter philanthropischen Vorzeichen mehr erreichen können als die Welt, in der wir momentan leben.

Dies als Vorwurf der Naivität an Moore heranzutragen verfehlt das eigentliche Ziel dieses und im Grunde jeden anderen seiner Filme: im Gegensatz zu diversen Akteuren der internationale politischen Bühne liegt Moore daran, aufzuzeigen, was man besser machen könnte, anstatt ständig den Untergang heraufzubeschwören. „Where to invade next“ hat humanistisch gesehen das Herz an der richtigen Stelle – und die zwei Filmstunden verfliegen derartig unterhaltsam, dass es oft schlicht eine wahre Freude ist.

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