Wild Mouse ★★★

Österreichische Mischung aus kleinbürgerlichem Rachefilm und Beziehungsdrama, gewürzt mit teils herrlich-absurden Humoreinlagen. Bei weitem nicht so schwarzhumorig, wie er vielleicht manchmal gerne wäre, aber dennoch eine unterhaltsame Angelegenheit.

Konstatieren muss man aber, dass der Film seine Schilderung einer Beziehung zwischen Menschen, die miteinander reden und dennoch nicht reden weitaus besser im Griff hat als den Racheplot, den der gefeuerte Musikkritiker Georg (Josef Hader) für seinen ehemaligen Vorgesetzten ersinnt. Dieser beginnt vielversprechend, löst sich dann aber eher in Wohlgefallen auf - trotz zersplitterten Brillenglas.

Georg und Johanna bilden das Herzstück von "Wilde Maus", ein Paar, nicht mehr die allerjüngsten, die seit drei Jahren bisher vergeblich versuchen, ein Kind zu bekommen. Biologische Uhren ticken und Zweifel machen sich vor allem bei ihm breit. Genau in dieses Dilemma fällt dann auch der meines erachtens nach größte Kardinalsfehler des Films, ohne den weite Teile der Prämisse schlicht nicht so funktionieren würden, wie sie es tun: Georg verheimlicht seine Kündigung gegenüber Johanna. Selbst bei weitestgehender Sprachlosigkeit, die zwischen ihnen herrscht, würde das jemand wirklich tun?

Sicher, es gibt Beispiele aus der Realität, aber hier wirkt es wie ein bemühter Kniff, weil "Wilde Maus" sonst nicht so wäre, wie ihn Hader augenscheinlich unbedingt wollte. Das er damit in stereotypes Hollywood-Gewässer gerät, das in einem üblichen "liar reveal" kulminiert, scheint ihn nicht weiter zu stören, hinterlässt aber den schalen Beigeschmack von Figuren, die im Kern ein erzählerisches Vakuum mit sich herum tragen: kann man es nicht mit "echtem Leben" füllen, greift man eben in die dramaturgische Mottenkiste.

So amüsant dann vieles in "Wilde Maus" auch ist und wie großartig geschrieben und gespielt die Szenen zwischen den beiden Hauptfiguren daherkommen (die Sequenz beim Austernessen ist eine hervorragende Schilderung von scheinbar aus dem Nichts aufbrechenden Konflikten), dies schleppt der Film wie eine Bürde mit sich herum. Immerhin findet er in seinen letzten Minuten eine wunderschöne visuelle Auflösung für den zwischenmenschlichen Konflikt, als Johanna und Georg bei ihrer Aussprache einen Stau verursachen, der sich dann langsam, aber bestimmt wieder auflöst.

Da der Film ähnlich wie Georg die tiefgehende Auseinandersetzung scheut, könnte man ihm diesen Kniff wohlwollend noch als absolut bewusste dramaturgische Entscheidung auslegen, aber so bewegt er sich größtenteils um den heißen Brei herum. Etwas mehr Biss und Mut zum Verqueren hätte "Wilde Maus" sicherlich gut zu Gesicht gestanden. Das das Gesamtpaket dennoch sehenswert ist, verdankt es vor allem der sicheren inszenatorischen Hand von Hader und seinem hervorragenden Ensemble. Die Maus ist nicht ganz so wild wie suggeriert, aber niedlich brüllen kann sie dennoch.