Winchester '73 ★★★

Der Beginn der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Schauspieler James Stewart und Regisseur Anthony Mann markierte einen Wendepunkt in der Geschichte des Western von konsequenz- und größtenteils eher gedankenlosen B-Movies hin zu Filmen, die ihr Setting und ihren Inhalt zu reflektieren begannen. So weit, so gut. "Winchester 73" ist zwar noch weit entfernt von einem echten Diskurs über alles, was das Genre so hergibt, zeigt aber in Ansätzen bereits, dass es Mann auch ein Stück weit um Dekonstruktion ging - wenn auch in leicht goutierbaren Portionen und ohne das Spektakel aus den Augen zu verlieren.

Die Geschichte eines Cowboys, dem von einem Konkurrenten eine gewonnene Winchester Kaliber 73 ("The gun that won the West") gestohlen wird und die fortan von einer Hand zu anderen wandert, hat eine so stark episodische Struktur, dass man manchmal das Gefühl hat, den Zusammenschnitt einer TV-Serie zu sehen, die für das Kino zweitverwertet wurde. So sind einige Segmente erfolgreicher als andere (der Beginn ist großartig, ebenso die Geiselnahme, in der Mann sich geradezu beiläufig mit dem beschäftigt, was heute als "toxische Männlichkeit" bekannt ist, während die Belagerung flach fällt, weil sie im Endeffekt nur auf ermüdende Action setzt) und eine straffere Inszenierung hätte beispielsweise gerade dem Finale gut getan (das der Film immer weiter zerfasert hat er mit dem späteren, insgesamt aber besser funktionierenden Mann-Western "Über den Todespaß" gemeinsam).

Das Spektakel, dass man dem Publikum unterstellt sehen zu wollen, ist dann vor allem ein ermüdenes Hin und Her der Waffengewalt. Ohnehin - wen verwundert es bei so einem Titel? - fetischisiert der Film seine Waffen so sehr, dass man am Ende, wenn sich die Winchester wieder in der Hand des Helden befindet, jeglichen Subtext auszuradieren versucht. Waffen bringen Gewalt in die Welt, die pure Möglichkeit ihrer Anwendung führt zu kolossalen Verwerfungen, die, wie in diesem Fall, sogar Brüder gegeneinander antreten lässt. Die "Eroberung" des Westens war gewalttätiges Unrecht, doch jeder Gedanke, den sich der Film im Angesicht dieser Tatsache macht (der Genozid und die im zeitlichen Kontext des Films beginnende Umsiedlung der Ureinwohnern wird delikaterweise ausgespart, die "First Nations" dienen lediglich als Stichwortgeber) wird ein Stück weit negiert, wenn Stewart mit seinem tödlichen Eigentum in der Hand zur weiblichen Protagonistin zurückkehrt (der, immerhin, einige kleine Sequenzen der Behauptung gegenüber ihren männlichen Gegenübern gewährt werden).

"Winchester 73" ist ein uneinheitlicher Film. Sehenswert und historisch von Belang, aber teilweise auch "all over the place", wie die Nachfahren der waffenschwingenden Eroberer im "Wilden Westen" zu sagen pflegen.