Wolf Creek 2

Das Mantra des „Mehr!“ hängt seit jeher über einer jeden Popcornkino-Fortsetzung. Mehr Xenomorphs in „Aliens – Die Rückkehr“, mehr Dinosaurier in „Vergessene Welt – Jurassic Park“, mehr kleine Biester in „Gremlins 2 – Die Rückkehr der kleinen Monster“. Im Horrorfilm bedeutet dies: mehr Blut, mehr Tod, mehr Agonie. „Wolf Creek 2“, die Fortsetzung des australischen Thriller über das Schicksal von drei Backpackern im australischen Outback, nimmt sich dieses Mantra sehr zu Herzen und fängt gleich ab Beginn damit an, auf möglichst sadistische Weise seine hastig eingeführten Figuren über die Klinge springen zu lassen.

Die Geschichte ist im Grunde dieselbe: Backpacker, in diesem Fall ein deutsches Pärchen (sie kann sogar jodeln), begeben sich ins Outback und treffen dort auf den im ersten Moment charismatischen Mick Taylor, der sich aber schnell als wahnsinniger Serienkiller entpuppt. Und da für diesen Film der Ausruck „all over the place“ erfunden wurde, beginnt er ohne größere Anmoderation sein Handwerk. Sie kann kurz entkommen, sucht Schutz bei einem englischen Touristen, der sich nach ihrem schnellen Ableben nun als Protagonist verdingen muss. Hilfreiche Menschen unterwegs werden ebenso Opfer Taylors wie eine ganze Gruppe Kängurus, die, als wäre der Film nicht schon Gore-lastig genug, über hunderte Meter hinweg brav neben seinem Truck entlang springen, um dann vor dem Kühlergrill bzw. unter den Reifen zu enden. Der geneigte Slasherfan darf hier nun applaudieren.

In Micks Behausung, die sich seit dem letzten Film gefühlt um die Größe eines Flugzeughangars gemausert hat, gibt es dann weitere zünftige Momente inklusive einem Jumpscare, der aus einem Zombiefilm übrig geblieben ist.
War man durchaus gewillt, Mick Taylor als guten, weil recht unberechenbaren Antagonisten zu sehen, verhält er sich hier so auffällig (ernsthaft, niemand vermisst die Polizisten vom Beginn? Niemand? Nirgends?), so übertrieben, dass er recht viel seines Schockpotentials wieder einbüßt. Er ist nicht mehr der gleichermaßen charmante wie einschüchternde Kerl des ersten Films, sondern ein leicht zu reizender, sich denkbar unökonomisch verhaltender Verrückter, dessen Dasein im Outback mit jeder Handlung unglaubwürdiger wird. Und dass man ihm diesmal eine xenophobische „Motivation“ für seine Handlungen mit auf dem Weg gegeben hat, macht die Sache auch nicht besser. Kommentar zur restriktiven australischen Einwanderungspolitik? Wenn ja, verfehlt der Film durch seine schwammige Art, die sich letztlich doch nur für zerschossene Köpfe interessiert, auch hier sein Ziel.

„Wolf Creek 2“ ist eine unnötige, stillose Fortsetzung, die aber „Down Under“ irgendeinen Nerv zu treffen scheint: 2016 erschien eine TV-Miniserie, für 2017 ist der dritte Kinofilm angekündigt. Der Plot? Ich hätte da ein paar Vermutungen …

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