Knives Out ★★★½

Das Whodunnit Genre ist vielleicht nicht veraltet, aber zumindest an eine gewisse Ära gebunden. Viele dieser klassischen Geschichten hätten durch ein Handy, nicht einmal ein Smart Phone, problemlos gelöst werden können. „Knives Out“ von Rian Johnson ist nun der Versuch dieses konservative Genre zu modernisieren und ins 21. Jahrhundert zu katapultieren.

Im 1. Teil des Film wird dem Zuschauer dieser Modernisierungsprozess des Regisseurs, der schon immer einen Hang hatte, Genre Konventionen auf den Kopf zu stellen, bewusst. Diese Fusion aus moderner Sprache und Kultur mit dem klassischen Plot funktioniert auch halbwegs – vor allem im Nachhinein. Zum Schluss des Films, erhalten die anfänglich noch eher gefühlt reingezwängten Termini wie Netflix, Twitter und Influencer ihre mehr oder weniger bedeutende Rolle für den Plot.

Rian Johnson war schon immer ein Regisseur der Parodie, Hommage und Dekonstruktion innerhalb eines Films nebeneinander stattfinden lässt. Der zweite Teil des Films zeigt dann auch tatsächlich Ansätze eines Dekonstruktionsversuches. Mit der ersten großen Enthüllung, die tatsächlich überraschend ist, nähert sich der Regisseur dem Whodunnit Genre von einer ganz anderen Perspektive. Er kreiert ein Hitchcock Szenario (natürlich hätte Hitchcock auf den Humor verzichtet) in der der Zuschauer mehr weiß als der Detektiv. Diese Wechselwirkung erzeugt den von Hitchcock treffend beschriebenen und schwer zu übersetzenden Ausdruck von "Suspense". Nicht unähnlich zu „Rope“, wäre es ein spannendes Experiment geworden, zu versuchen diesen Zustand der kontinuierlichen Anspannung aufrecht zu erhalten.

Jedoch begibt sich der letzte Teil des Films leider wieder auf familiäres Terrain und „Knives Out“ bleibt schlussendlich doch eine klassische Whodunnit Geschichte mit modernem Anstrich. Natürlich parodiert Rian Johnson das Genre auch. Daniel Craig als Südstaaten Hercule Poirot ist fantastisch und scheint beinahe eine dekonstruktivistische Version der so beliebten Detektiv-Figur aus der Literatur zu sein. Der Film traut sich aber nicht die Parodie konsequent weiterzuführen. In Ansätzen – Stichwort: "Donut hole" – versucht der Film das ganze Genre ad absurdum zu führen, jedoch besitzt er nicht die Konsequenz alles im Chaos versinken zu lassen à la "Rick and Morty".

„Knives Out“ ist ein intelligenter, witziger und vor allem sympathischer Film, der viel Liebe für seine Figuren besitzt. Er revolutioniert das Genre nicht, steht jedoch erhobenen Hauptes in einer Reihe außerordentlich guter Filme.

pascal liked these reviews