Dune

Dune ★★

Visions of Zendaya, is it a video? - Please not!

Wann ist es eigentlich zum Qualitätsmerkmal von Sci-Fi Filmen geworden, dass sie nur bedeutend und künstlerisch anspruchsvoll sein können, wenn sie völlig spaßbefreit und geradezu lachhaft bierernst sind?

Dune ist leider in vielerlei Hinsicht genau das, was ich schon nach den grauenhaften Trailern befürchtet hatte: Völlig aufgeblasene, bedeutungsschwangere Sci-Fi, in dem mal wieder eine Reihe großer Schauspieler vergessenswürdige Cameo-Auftritte unter ihrem Niveau aufführen dürfen und Villenueve es mal wieder nicht schafft, seine Schauspieler sich auch nur irgendwie wie echte Figuren statt nur Kulisse anfühlen zu lassen.

Das scheitert vor allem daran, dass Dune als Film ähnlich trocken wie der ganze Sand in dieser eintönigen Wüste ist. Hier steckt keinerlei Spontanität, Freude am Medium oder Interesse an der eigenen Welt drin. Es ist völlig kaltes Design, das natürlich vereinzelt ganz opulent aussieht, aber in ein unfassbar ätzendes graues Color-Grading getaucht wurde, das Dune visuell zum Einschlafen macht.

Zusätzlich dazu kommt ein Blocking und Setdesign das, gerade im Vergleich zum wirklich abwechslungsreichen Blade Runner 2049, unfassbar leer und einfallslos wirkt. Ständig stehen sich hier Charaktere in völlig kahlen, farblosen Räumen gegenüber und rattern bedeutungsschwangere Exposition entweder über die Welt oder die Motivation der Charaktere runter, aber nichts wird hier wirklich gelebt.

Chalamet ist wie befürchtet eher eine Fehlbesetzung und hätte lieber in Norditalien bleiben sollen, denn da konnte er wirklich noch eindrucksvoll schauspielern. 

Hans Zimmer tut das was er seit Jahren tut, und zwar völlig melodiefreie Klangteppiche mit Megabass zu unterlegen, die zum Teil überhaupt nicht zu den ruhigen Bildern passen, weil Villenueve offenbar auch keine wirkliche Idee hatte, wie er dieses platte Gebrumme samt Chor-Gejaule integrieren soll.

Besonders erschreckend ist aber zum Teil die völlig austauschbare Action. Wirklich, selbst die letzten Star Wars Filme haben irgendwie einen wiederkennbaren Schauwert produziert. Aber besonders die große Schlacht bei Nacht hat mich durch den Overload an CGI-Explosionen eher an den Trailer vom neuen Roland Emmerich Film erinnert, der kurz davor lief, als an das bahnbrechende Spektakel, was jeder anpreist.

Alles in allem ist es mal wieder eine große Gleichgültigkeit die Villenueve auslöst, durch seine bleischwere Herangehensweise, die keine Mitte zwischen forcierter Überwältigung und spiritueller Arthouse-Langeweile findet. Es gibt hier nur diese zwei Extreme und ein hin und wieder etwas Menschlichkeit in dieses pulsfreie Halbtoten-Kabinett reinbringenden Jason Momoa.

Dune macht letztlich weder Spaß, noch regt er einen wirklich auf. Und diese irritierende Leere ist eigentlich die große Enttäuschung an diesem Werk. Er sagt politisch nichts, was nicht sogar schon ein Avatar oder ein Valerian angebracht hätte und driftet so einfach in eine Beliebigkeit ab, die die vielerorts proklamierte Meisterschaft Villenueves umso unverständlicher macht.

Klar könnte man jetzt argumentieren, dass dies ja nur der erste Teil ist. Aber wenn Villenueves Vorgehensweise die ist, einem einen derart drögen 155-minütigen Prolog für einen angeblich besseren Film zuzumuten, dann agiert er kaum gekonnter als die Russo-Brüder mit den Avengers-Filmen. 

Aber zumindest weiß ich dank Villenueve jetzt, da ja jeder Fan des Buches begeistert zu sein scheint, welche literarische Vorlage ich getrost auslassen kann.

Es gibt Möglichkeiten eine Wüste visuell eindrucksvoll zu gestalten. Villenueve hat aber keine entdeckt. Dann doch lieber nochmal Lawrence von Arabien.

Patrick liked these reviews

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