Paprika ★★★★

Believe it or not: PAPRIKA von Regisseur Satoshi Kon ist der erste Anime (Film) den ich bewusst geschaut habe. Mit 34 Lenzen auf der Uhr.

Kein Film des Großmeisters Miyazaki, kein DIE LETZTEN GLÜHWÜRMCHEN, kein COLORFUL. In Sachen Animation und Zeichentrick habe ich bisher nur in den westlichen Gefilden des Erdballs gewildert. Dort aber zählen einige Vertreter sogar zu meinen Favoriten der jeweiligen Jahre. Allen voran die großartigen ALLES STEHT KOPF und RATATOUILLE, sowie natürlich die Klassiker aus dem Hause Disney.
Im Rahmen des #Japanuary 2020 war es nun soweit und ich habe PAPRIKA geschaut. Mein erster Anime. Und es wird sicherlich nicht mein letzter bleiben. Zumindest wenn solch ernste und erwachsene Themen wie hier verhandelt werden. Doch worum geht es in PAPRIKA eigentlich?

In einer nicht näher spezifizierten Zukunft haben Wissenschaftler rund um Kōsaku Tokita und Atsuko Chiba eine Gerätschaft namens „DC Mini“ entwickelt, welche es Psychotherapeuten erlauben soll, die Träume ihrer Patienten analysieren und manipulieren zu können. Als diese wegweisende Erfindung eines Tages gestohlen wird, bricht Panik im Institut aus. Denn der „DC Mini“ könnte auch für weniger ehrenhafte Zwecke missbraucht werden und stellt damit in den falschen Händen eine große Gefahr dar.

Viel mehr möchte ich zur Handlung nicht preisgeben. Denn die auf einem Roman von Yasutaka Tsutsui basierende Geschichte ist es allemal wert selbst erlebt und erkundet zu werden. Spätestens wenn im Laufe des Films die Grenze zwischen Traum und Realität immer mehr verwischt und das mysteriöse Geschehen noch mit einer Kriminalgeschichte um eine Ermittlung in einem Mordfall verwoben wird, spielt PAPRIKA seine Stärken massiv aus.
Der meist quietschbunte und träumerisch-entrückte Look steht dabei in angenehmen Kontrast zu der mysteriösen Geschichte und der teils sehr düsteren Atmosphäre. Im Kern werden in PAPRIKA hochinteressante Fragen gestellt. Wie verhält sich die Imagination des Menschen zu seiner Lebensrealität? Wieviel Eskapismus ist für ein erfülltes Leben notwendig? Wie tief darf man sich in Fantasie, Unwirklichkeit und Träumen verlieren, bis die Balance kippt und man die lebensnotwendige Verbindung zur Realität verliert?
Diese tiefschürfenden Fragen werden mit wunderschönen Bildern und einem Score mit Ohrwurmcharakter garniert und im Rahmen einer sehr spannend erzählten Story diskutiert. Auch wenn nach den 90 Minuten nicht alle Fragen bis ins Detail beantwortet sein mögen, so liefert PAPRIKA doch reichlich Denkanstöße, so dass er nachhaltig im Kopf bleibt.

FAZIT:
Erwachsene und existenzielle Themen verpackt in eine wunderschöne Anime-Optik. PAPRIKA ist ein Mystery-Thriller dessen bunte Farben im angenehmen Kontrast zu seiner oft düsteren Stimmung stehen. Definitive Schauempfehlung!