Nocturama ★★½

Filmwelt Filmclub #44 - Nocturama - Ausgewählt von Kaladin

Mit zu Beginn fehlerloser, aber auffallend nüchterner Inszenierung schmeißt Bonello einen zunächst eine knappe Stunde lang ins kalte Wasser. Eine Gruppe Jugendlicher führt eine Reihe an Bombenanschläge in der französischen Hauptstadt durch. Der Zuschauer kann die genauen Motive dabei nur erahnen. Nach diesem verhältnismäßig fulminanten Start drückt der Regisseur auf die Notbremse und legt den Blick auf die emotionalen Auswirkungen dieses Ereignisses. Eine elegante und hoch interessante Prämisse, die auf dem Papier hochgradig vielversprechend wirkt.

Doch leider habe ich zu viele Probleme mit dem Film. Die größte Krux, die Nocturama sich selbst schafft, ist der durch die nie wirklich offenbarte Motivation der Gruppe immens hohe Abstraktionsgrad. Was Nocturama erzählen möchte - von adoleszenter Hybris und Frivolität bis hin zur Geburt von Terrorismus - tut er also auf einem hoch akademischen Level, und das ist negativ gemeint. Denn statt den Charakteren einen emotionalen Hintergrund zu geben, bleibt Bonello auf der trockenen Ebene der Theorie. Statt sich Charakteren annähern zu können, werden wir auf Abstand gehalten und entfremdet: Vielleicht ein Weg, um eine Identifizierung mit der Gruppe zu vermeiden, vielleicht ein Mittel, um die Kälte des modernen Lebens aufzuzeigen, gleichzeitig ist die Konsequenz aber auch, dass Nocturama in seiner Gesamtheit leer und leblos wirkt. Wenn diese Leblosigkeit nun noch auf über 2 Stunden gestreckt wird, leitet ein intentionales Stilmittel nicht zu seinem Ziel, sondern zu Langeweile.

Bonello testet die Ausdauer des Zuschauers und schafft es ab und an dann doch, denkwürdige Momente zu schaffen, in denen einem immer wieder klar wird, wie gut die Hypothese von Nocturama doch eigentlich ist. Das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, wie unnahbar er seine Idee gestaltet.

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