On the Rocks ★★★★

Diese Review in schöner auf Movie Space

Bill Murray und Rashida Jones sitzen gemeinsam im winzigen Sport-Oldtimer und liefern sich eine wilde Verfolgungsjagd mit einem Taxi, um ihrem vermeintlich untreuen Ehemann auf die Schliche zu kommen. Eine Vorstellung, die man abgesehen von ersterem Namen wohl kaum einem Film von Sofia Coppola zuordnen würde. Mit Lost in Translation oder The Virgin Suicides zeigte sie bisher nämlich einen sehr traumversunkenen, stets etwas entrückten Regie-Stil. Mit On the Rocks geht sie neue Wege und inszeniert eine Art Feel-Good-Satire auf Eifersucht und lahmende Liebesbeziehungen. Da spielen Drama, Komödie und Krimi ein leichtherziges Miteinander – im Vergleich zu dem eher melancholischen Stoff, den man von der Tochter Francis Ford Coppolas kennt.

Laura (Rashida Jones) scheint in ihrem Leben in einer Sackgasse angekommen zu sein: Während ihr Mann beruflich am Speedklettern ist, die Welt bereist und sich vor sozialen Kontakten kaum retten kann, muss sie sich mit den nervenden Eltern der Schulkameraden ihrer Töchter herumschlagen und verliert immer mehr ihren kreativen Trieb für ihren Job. Und dann fällt ihr auch noch immer mehr Fiona ins Auge, eine auffällig attraktive Arbeitskollegin ihres Mannes… Als die Gedanken ihre Kreise in Lauras Kopf ziehen, tritt jemand auf den Plan, der ihre Unwissenheit lösen möchte: Bill Murray als Lauras Vater ist nicht nur eine der wenigen Parallelen von On the Rocks mit der bisherigen Filmographie Coppolas, sondern auch das absolute Highlight des Films: Er ist brillant wie eh und je und stiehlt in seiner Rolle als alternder Schürzenjäger jedem anderen die Show.

Murray ist es, der On the Rocks seinen besonderen Charakter verleiht. Seine Monologe und seine Bildpräsenz überschatten die der anderen bei weitem. Dass er weniger als Flankierung der eigentlichen Protagonistin auftritt, sondern sich als chauvinistischer Playboy in den Vordergrund spielt, kann man zweifellos kritisieren, den Unterhaltungswert seiner Show kann man ihm aber nicht absprechen. Damit reißt er die Richtung von On the Rocks immer mehr in Richtung Vater-Tochter-Beziehung und weg von durchgekauten Eifersüchteleien. Denn sind wir ehrlich: Argwohn in einer langjährigen Beziehung ist ein langwährendes Thema in der Filmlandschaft, viel dazu beitragen kann man nicht mehr. Deshalb sehe ich Murrays Diebstahl als einen herzoglichen Akt. Die Beziehung Vater und Tochter bekommt in On the Rocks immer wieder berührende, emotionale Momente, die die konstant präsenten Gags durchschneiden.

Dabei sollte man zu keiner Zeit erwarten, dass Sofia Coppola hier ein tiefgehendes Epos geschaffen hat, das den Zuschauer emotional in seinem Leben begleiten wird. Nein, On the Rocks ist sympathisches, ruhiges Feel-Good-Kino mit möglichst angelegter Tragweite. Das liegt nicht nur an Bill Murray: Man merkt, wie gut Coppola es versteht, den “Slice of Life” zu inszenieren. Es passiert nicht viel in On the Rocks. Für andere Filmemacher wäre der Auszug aus Lauras Gedankenwelt eine völlig nichtige Geschichte gewesen – wahrscheinlich wäre sie nicht einmal als Geschichte klassifiziert worden. Aber die Welt braucht nicht nur epochales Weltkino, sie braucht auch die kleinen Chroniken, die Abrisse aus dem Alltag, sie muss uns auch mal im Sessel sitzenbleiben und eine kurze mentale Auszeit nehmen lassen.

Diese Art Kino ist nicht jedermanns Sache. Gleichzeitig ist sie nicht einfach zu verwirklichen. Doch Sofia Coppola kann das. Das zeigte sie mit Lost in Translation und das zeigt sie mit On the Rocks erneut. Diesmal schafft sie es mit einem großartigen Pacing, bissigen und spaßigen Dialogen, einem tollen Soundtrack und einfacher, aber himmlischer Figurenzeichnung. Also: Wer leichtes Feel-Good-Kino mag, wird On the Rocks verschlingen. Wer sich eine einzigartige lebensverändernde Erfahrung wünscht, wird wohl enttäuscht werden. Doch für meinen Begriff ist On the Rocks genau das, was man in dieser Zeit braucht: Eine kurzweilige, ruhige, entspannende Auszeit aus einer verrückt gewordenen Welt.

Daniel liked these reviews