Spring, Summer, Fall, Winter... and Spring ★★★★½

Filmwelt Filmclub #39 - Frühling, Sommer, Herbst, Winter… und Frühling - ausgewählt von mir

Im Frühling der Respekt vor der lebendigen Macht der Natur, im Sommer das Aufblühen der Liebe mitsamt ihrer Gefahren, im Herbst das Übernehmen von Verantwortung für üble Taten, im Winter das Überkommen der Hindernisse von Körper und Geist. Als Film über den Zyklus des Lebens fordert Frühling, Sommer, Herbst, Winter… und Frühling den Zuschauer zur Introspektion heraus und bietet dabei eine Vielzahl an Themen und Interpretationen an, wodurch er ein völlig einzigartiges philosophisches und visuelles Werk wird, das mit Abstand Kim Ki-duks besten Film darstellt.

Die vier Jahreszeiten als eigene Charaktere darzustellen ist ein Geniestreich, eine Metapher, die treffender kaum sein könnte und thematisch auf den Punkt umgesetzt wird. Jede Jahreszeit stellt einen eigenen Konflikt, eine eigene Lehre, eine eigene Station im Zyklus des Lebens dar. Dabei haben sie alle ihre eigene Persönlichkeit, der visuell Halt finden kann.

Erneut erzählt Kim Ki-duk sein Magnum Opus nahezu ohne Dialoge - die Gespräche, die da sind, sind in keiner Weise notwendig, um die Handlung oder die Themen des Films zu verstehen. Er hat die Kunst, Geschichten visuell zu erzählen und damit der Maxime „Show, don’t tell“ zu folgen, perfektioniert - es gibt kaum jemanden, der dieses Prinzip mehr beherrscht als der südkoreanische Regisseur. Er nutzt Symbole, Körpersprache und optische Details, aus denen der Zuschauer Bedeutung ziehen kann, ohne genau gesagt zu bekommen, was auf dem Bildschirm passiert. Eingefangen ist das alles in wunderschöner, isolierter Landschaft, die mit perfektem natürlichen Licht in Szene gesetzt wird und Szene für Szene Schönheit und vor allem Charakter offenbart.

Frühling, Sommer, Herbst, Winter… und Frühling ist eines der Meisterwerke der frühen 2000er, aus dem wirklich jeder etwas ziehen kann, dessen Themen universell anwendbar sind, der als spirituelle Studie menschlicher Natur präziser kaum sein könnte. Die Dichte der Themen ist fast schon überwältigend, und dennoch wirkt der Film weder aufgesetzt noch überladen (im Gegenteil), was ihn über so viele andere Filme hebt. Trotz seiner stark religiösen Symbolik gelten seine Ideen für jeden - es ist eine Geschichte über das Leben, von der Überschwänglichkeit und Naivität der Jugend bis zur Weisheit und Klarheit des Alters. Die Entscheidungen, die wir treffen, formen und gestalten uns, was uns Wissen gibt, das wir den Folgegenerationen weitergeben können. Es ist ein endloser Zyklus, ohne Anfang, ohne Ende.

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