The Devils ★★★★

Wichtelclub - Runde 2 | 31.05.21 - 13.06.21 - The Devils - Wichtel-Vermutung: Jonas

Hohn und Spott: Das ist es, was Ken Russell der katholischen Kirche ins Gesicht wirft. Mit nackten Nonnen, die sich ihrer absichtlich ahistorischen Kostümen entledigt haben und wild kreischend über christliche Symbole hermachen, farciert er die Institution mit einem wahnsinniges Grinsen – gerade in den frommen 70ern verständlich, dass The Devils zu einem waschechten Skandalfilm avancierte. Dramatischer und exploitativer kann man Kirchen-Kritik kaum herüberbringen. Russell entlarvt das Ergebnis der zerstörerischen Kombination von spirituellem Glaube und Machtbestreben und warnt vor religiösem Wahn und sexueller Unterdrückung.

Er inszeniert all das nicht ruhig und sachlich, sondern mit geradezu hetzerischer Lautstärke. Dazu passend die zwei beeindruckendsten Aspekte von The Devils: Der sagenhafte Oliver Reed, dessen Präsenz wahrlich eindrucksvoll ist und die tonale Eskalation der zweiten Hälfte des Films, die trotz allem Irrwitz noch beeindruckend präzise eingefangen ist. Grundsätzlich bemerkt man eigentlich nie, dass der Film bereits ein halbes Jahrhundert auf den Schultern trägt, technisch kann man The Devils kaum etwas vorwerfen.

The Devils ist ein herausragender und mutiger, direkter Angriff auf die katholische Kirche, der unterhaltsam beginnt und dann in völligem Bestialität endet, die bisweilen geradezu überwältigend wirken kann. Ein teuflischer Film, der seinem Ruf gerecht wird und gerade durch einzelne Bilder und Momente im Gedächtnis bleiben wird.