A Taxing Woman ★★★★

#Japanuary 2020 Nr. 24

A Taxing Woman/マルサの女 (Marusa no onna) - Juzo Itami, dieses kleine Genie, verkauft uns hier einen Film, über eine kettenrauchende Steuerbeamtin. Das klingt so gar nicht nach Unterhaltung. Ihm gelingt es nach Tampopo, dem kulinarischen Fest der Köstlichkeiten, diesmal im Milieu der Steuerfahndung (gähn!) Menschlichkeit zu finden.

Ryoko Itakura (Nobuko Miyamoto) hat es nicht einfach. Die geschiedene Frau und alleinerziehende Mutter muss sich in der Welt der dubiosen Geschäftsmänner und Kredithaie behaupten. Ihr Moralverständnis und ihre Integrität gegenüber dem Steuerzahler sind größer, als die Gewaltandrohungen und Verlockungen der Upper-Class.

Ryokos Ermittlungen gegen Hideki Gondō (Tsutomu Yamazaki), den Betreiber einer Liebeshotel-Kette, verlaufen im Sand. Mit ihrer Beobachtungsgabe und ihrem Scharfsinn beeindruckt sie nicht nur ihre Kollegen, sondern erlangt auch den Respekt und die Freundschaft zu Gondo, dem genialen Gegenspieler dieses Films. Ihre Beziehung zu diesem gerissenen Finanzbetrüger helfen ihr in einem späteren Fall, der sehr unterhaltsam und spannend in Szene gesetzt ist. Ryoko durchwühlt wortwörtlich Müllberge, um Hinweise zu finden.

Es war großartig, dass A Taxing Woman sich immer weiter von seiner trockenen Narrative wegbewegt hat. Itami erforscht stattdessen die Gefühle zwischen Ryoko und Gondō. Aus ihrer Freundschaft entsteht Liebe, die die pflichtbewusste Ryoko vor eine schwierige Entscheidung stellt. Ihre Zerissenheit wird in ruhigen Bildern und Gesprächen visualisiert. Auch Gondōs Beziehung zu seinem Sohn und das gute Zureden von Ryoko lassen den Eismantel dieses Betrügers schmelzen.