Sweet Bean ★★★½

#Japanuary 2020 Nr. 14

"We try to live our lives beyond reproach, but sometimes we are crushed by the ignorance of the world."
Tokue (Kirin Kiki)

Wenn sich die Menschen in Japan zum Hanami, dem Kirschblütenfest, unter den Bäumen versammeln und gemeinsam essen, trinken und am abend die Lichtspiele betrachten, rückt das Land zusammen. Sweet Bean/あん verinnerlicht diesen Zusammenhalt auf wundersame und inspirierende Weise. Dabei hat man die Geschichte schon tausendmal gesehen. Egal ob bei den Kölner Heinzelmännchen, Marry Poppins oder Mrs. Doubtfire. Ein guter Geist unterstützt selbstlos und aufopferungsvoll einen anderen Menschen. Im Fall von Sentarô (Masatoshi Nagase) handelt es sich um den Besitzer eines Dorayaki-Shops. Seinen mit roter Bohnenpaste (Azuki) gefüllten Eierkuchen fehlt allerdings das gewisse Etwas. Als sich die alte Tokue (Kirin Kiki) als Aushilfsköchin bewirbt, floriert nicht nur das Geschäft, sondern sie schafft auch Akteptanz für ein in der Gesellschaft misachtetes Thema.

Vielleicht habe ich am Ende von Sweet Bean ein paar Tränen verdrückt. Besonders, weil ich von der menschlichen Wärme, die dieser Film austrahlt, total überwältigt war. Sweet Bean ist eine Hymne für Akzeptanz, Mut und Verständnis gegenüber alten und kranken Menschen. Menschen, die die Gesellschaft vergessen hat. In ihrer Rolle als Dorayaki-Bäckerin strahlt Kirin Kiki wie ein heller Stern. Sie ist einfach Japans National-Treasure und wurde 2015 als Beste Darstellerin bei den Asia Pacific Screen Awards ausgezeichnet.

Die Kirschbäume, die während des Hanami blühen und zehn Tage später ihre Blüten verlieren, erinnern uns an die Endlichkeit unseres Lebens. In Sweet Bean wird diese Vergänglichkeit überlistet, dank eines köstlichen Rezepts, das Tokue ihrem "Boss" Sentarô überlässt und damit ein leckeres Vermächtnis hinterlässt.

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