Terminator: Dark Fate ★★½

In Hollywood gibt es nahezu für jede Art einer Fortsetzung mittlerweile eine passende Bezeichnung: Sequels, Prequels, Remakes, Reboots, Spin-offs et cetera pp.

Nun gibt es einen neuen Trend: Fortsetzungen, die an irgendeinem Punkt in der Franchise-Chronologie ansetzen und alles, was bislang die Geschichte offiziell fortgeführt hatte, eiskalt "terminieren" und für null und nichtig erklären.

Das erste mal, dass mir dieses Vorhaben prominent über den Weg lief, war, als Neill  Blomkamp den Plan schmiedete, seine Alien-Fortsetzung einfach nach James Camerons ALIENS zu platzieren - inklusive Ripley und einem leicht lädierten Corporal Hicks. Erste Konzeptbilder sahen vielversprechend aus, die Fans freuten sich und Ridley Scott zerstörte die Träume kurzerhand zugunsten seines ALIEN: COVENANT-Murkses.

Letztes Jahr gab es dann mit dem neuen HALLOWEEN sogar einen Vertreter dieser "alternativen Fortsetzungen", der es erfolgreich auf die große Leinwand geschafft hat.

Und nun soll TERMINATOR DARK FATE das gleiche Kunststück schaffen und sowohl alte als auch neue Fans gleichermaßen in die Kinos locken, indem er alles, was nach T2 erschien, einfach ignoriert.

Dabei ist die Intention durchaus verständlich:
In TERMINATOR 3 war Sarah Connor bereits tot und man präsentierte dem Zuschauer am Ende einen Twist, der absolut keinen Sinn ergab.
SALVATION verlegte den Hauptteil der Handlung in die Zukunft und sollte eigentlich der Startschuss für eine neue Trilogie sein. Er fiel aber sowohl bei Kritikern als auch beim Publikum durch und so wurden die weiteren Fortsetzungen mit Christian Bale als John Connor ganz schnell auf Eis gelegt.
Und Gott sei dank hat dieses Schicksal auch der katastrophale nächste Trilogie-Start GENISYS ereilt. Unabhängig vom Trailer-Spoiler-Supergau wurde der Film mit fortlaufender Handlung immer dämlicher.

Und schwuppdiwupp sind wir nach diesen kurzen einleitenden Worten auch schon bei unserem neuen Teil 3 im TERMINATOR-Franchise angekommen: DARK FATE. Und die Überleitung vom "Vorgänger" GENISYS passt hier leider perfekt, denn auch DARK FATE wird im Laufe seiner 129 Minuten immer schlimmer.

Und dabei fing eigentlich alles so überraschend gut an! Die drei Szenen, die man bis zur Titeleinblendung zu sehen bekommt, hatten mich komplett abgeholt. Ohne zu sehr auf das Gezeigte einzugehen, schaffte es jede einzelne Sequenz mit jeweils anderen Mitteln TERMINATOR 2 respektvoll Tribut zu zollen.

Dann beginnt auch schon die richtige Geschichte. Wir lernen die neuen Charaktere kennen, der unverhoffte Besuch aus der Zukunft steht plötzlich unangemeldet vor der Tür und die Geschehnisse nehmen ihren vorhersehbaren und gewohnten Lauf. Das kann man nun ok finden oder aber auch als uninspiriert abtun.
Der neue Terminator hat jetzt eine nicht näher erklärte "Splitfunktion", die hier und da zu ganz netten Szenen führt. Mehr aber auch nicht, denn ein großes Problem hat der Film ganz speziell bei seinen Actionszenen. Gerade wenn man diese mit denen aus dem großartig inszenierten T2 vergleicht, sieht man hier mal wieder, dass man eigentlich nichts sieht. Ein Schnittgewitter und ein Durcheinander ohne klare Führung. Ständig wird dem Zuschauer suggeriert, dass hier richtig was passiert. Hier ein hektischer Schwenk, da drei Frames vom Fuß auf dem Gaspedal, dann ein kurzer Schnitt auf den Rückspiegel und jetzt bitte nochmal ein Closeup vom angestrengten Gesicht. Das ist keine Kunst!

Das ganze wird zum Ende hin aber nochmal auf die Spitze getrieben, als bei der eh schon hirnrissigen Flugzeugsequenz aufgrund der Dunkelheit wirklich gar nichts mehr zu erkennen ist. Wenn ihr kein Budget mehr habt, dann lasst den Quatsch doch einfach weg!

Das aber wirklich wirklich traurigste, dass dieser Film schafft, ist es, eine absolut legendäre Figur komplett zu dekonstruieren. Und damit meine ich nicht den von Schwarzenegger "gespielten" Haushaltsroboter, sondern vielmehr Linda Hamiltons Charakter Sarah Connor. Wenn das eure angemessene Interpretation einer desillusionierten Kämpferin sein soll, dann hättet ihr sie lieber mit Teil 3 begraben lassen sollen. Bei jedem Kommentar von ihr, bei jeder Reaktion, bei fasst jedem Gesichtsausdruck wird man wehmütig oder rollt mit den Augen. Und das ist sehr sehr schade.

Mackenzie Davis macht hingegen als technisch optimierter "Übermensch" Grace eine überraschend gute Figur. Gabriel Luna als neue normalproportionierte Killermaschine ist auch ok - aber egal wer noch in eventuellen Fortsetzungen in die Rolle eines Terminators schlüpfen wird, wird es schwer haben, an Robert Patricks ikonische Performance als T-1000 heranzureichen.

Und somit erfüllt sich das "dunkle Schicksal", dass ich schon beim Betrachten der ersten Trailer vorausgesagt hatte: auch TERMINATOR DARK FATE ist keine gelungene Fortsetzung der Reihe. Und ich behaupte, wir werden auch nie mehr eine zu sehen bekommen.