Lord of the Toys ★★★½

Puh, da muss der Zuschauer mal Eigenleistung erbringen. Es wird ihm etwas gezeigt, aber die dazugehörige Meinung gar nicht mitgeliefert...
Der Dokumentarfilm LORD OF THE TOYS gibt weder durch Kommentar noch Thematisieren der Filmemacher eine Meinung vor, sondern lässt, wie man auf den ersten Blick denkt, die Kamera einfach laufen. Erst auf den zweiten offenbart sich das perfide Überschreiten einer Grenze des schwer Ertragbaren. Zwar bedient sich der Film altbewerter Methoden, wie das Schockieren durch Elend oder das Stilisieren seiner fragwürdigen Figuren, aber trotzdem lässt er sich von Berichterstattung der Öffentlichen Rechtlichen klar abgrenzen, was der hitzige Exkurs, der nach seiner Veröffentlichung erfolgte, schon beweißt. Auch stellt sich die Nähe zu den Protagonisten als Vorteil heraus. Es sind nicht nur die Rechten, die Nazis, die Dummen, sondern es sind junge Leute, die man plötzlich verstehen möchte, war man nur Minuten vorher von ihnen genervt und hatte sie abgeschrieben. Und der Film hat eine Meinung! Nur nicht vielleicht genau die, die von ihm erwartet wird und deswegen ist es wichtig hier genauer hinzusehen. Der Film offenbart eine erschreckende Parallelgesellschaft, die nicht im Radar vieler Youtube-Algorithmen verläuft. Er zeigt wie Rechtsextremismus auch aussehen kann, ohne Stiefel und ohne Glatze und das sollte Angst machen und nicht die Tatsache, dass sich die Filmemacher in ihrem Werk als eine neutrale Instanz inszenieren.