Dune

Dune ★★★★★

Und das ist erst der Anfang....

Krankheitsbedingt konnte ich erst heute meine Reise nach Arrakis antreten. Ich habe mir also Spice hinter die Kiemen gekippt und bin losgedüst. Vor wenigen Minuten bin ich wieder in heimischen Gefilden gelandet und stehe nun hier vorm Spiegel und schaue mir meine Augen an. Sind sie blau vom Spice oder rot von meinen Tränen?

Ich habe eine schwierige Beziehung zu Dune. Beim Buch nicht über wenige Seiten hinausgekommen, beim Hörbuch regelmäßig entschlummert, die TV-Serie aus dem Jahr 2000 ist nur eine TV-Serie aus dem Jahr 2000 und die Version von David Lynch habe ich in meiner Review von vor ein paar Tagen als faszinierende Katastrophe bezeichnet.

Ist nun Denis Villeneuves Version auf Fels oder Sand gebaut?

Villeneuves "Dune" fängt nicht mit einem verwirrenden Info-Tsunami an, wie die Version von 1984, sondern mit einer einfachen und klaren Erzählung, in der die Handlungsdetails auf ziemlich organische Weise vermittelt werden.

Natürlich erfährt man nach und nach auch etwas über das Feudalsystem, den Spannungen zwischen den verschiedenen Adelsfamilien, der großen Bedeutung, des nur auf dem Wüstenplaneten Arrakis zu findenden Spice oder den möglichen messianischen Status, des jugendlichen Protagonist Paul Atreides. Man kann aber der zentralen Handlung immer klar und deutlich folgen. Wenn einem also die umfangreichen Details zu viel werden sollte, kann man sie auch getrost bei Seite lassen und sich nur auf die Haupthandlung konzentrieren.

Villeneuve ist auch klug genug, nicht sofort im ersten Teil sein ganzes Pulver zu verschießen. Er hebt sich wichtige Handlungsdetails und einige Charaktere für Teil zwei auf.

"Dune" ist aber sehr viel mehr als seine Handlung. Villeneuve hat eine wunderschöne, beeindruckende Welt erschaffen, die er uns oft auch nur durch aussagekräftige Nahaufnahme vermitteln kann. Die Wüste sieht wunderschön aus. Die Trockenheit, die unerbittlich pralle Sonne und der allgegenwärtige Sand sind so spürbar, dass man fast versucht ist, sich nach dem Film den Sand aus den Schuhen zu klopfen. Die Kulissen sind imposant, in Albert-Speer-Manier, die Charaktere wirken winzig im Vergleich zu den gigantischen Gebäude, die ihrerseits wieder gegen Arrakis und seinen gigantischen Sandwürmern, unbedeutend sind.

Auch die Besetzung ist einfach perfekt. Timothée Chalamets zurückhaltender Paul ist genau so, wie er sei soll: Fragen stellend, mit seiner Verantwortung als Erbe ringend, daran zweifelnd, wer er ist und welches Schicksal ihn erwartet und mutig und einfallsreich, wenn es notwendig ist. Oscar Isaacs Herzog Leto ist intelligent, edel, ein politisches Genie und ein Realist, der von den Konsequenzen seiner notwendigen Realpolitik heimgesucht wird. Rebecca Ferguson als Lady Jessica ist magisch und es ist unmöglich, nicht von jeder Emotion in ihrem schönen Gesicht angetan zu sein.

Ein winzig kleines Härchen in der Suppe ist - zumindest zur Zeit noch - das Ende. "Dune" ist eine lange Geschichte, die schwierig auf zwei Teile aufzuteilen ist. Viele Sachen wurden hier gepflanzt, die erst in Teil zwei geerntet werden können. Die Geschichte hat auch keinen Zwischenhöhepunkt, an dem es ideal gewesen wäre, sie enden zu lassen. So hört "Dune" einfach auf.

Leider ist Teil zwei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht garantiert und ich habe das Kino verlassen, ohne zu wissen, ob ich jemals Teil zwei sehen werde. Es ist sehr zu hoffen, dass genügend Begeisterung für eine Fortsetzung vorhanden ist, denn Villeneuve, wir und vor allem ICH haben es absolut verdient, dass die Geschichte auch im Kino zu Ende erzählt wird.

Ach ja, was ist nun eigentlich mit meinen Augen? Blau oder rot? Spice oder Tränen? Es waren Tränen, Freudentränen!

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