Ghostbusters: Afterlife

Ghostbusters: Afterlife ★★★½

Chapeau, Jason Reitman! Mit viel Herz sowie Feingefühl für das Original inszeniert der Regisseur von Up in the Air und Sohnemann von Ivan Reitman den offiziellen dritten Teil des beliebten Geister-Franchises.

Dabei schafft Reitman gekonnt den schwierigen Spagat zwischen Nostalgie und Staffelübergabe an eine neue Generation. Für Fans von Ghostbusters I & II finden sich genug Referenzen, um in wohligen Erinnerungen zu schwelgen, während man eine neue Generation mit begnadeten Jungschauspielern in den Bann zieht.

Allen voran überzeugt Mckenna Grace mit tollem Spiel und dem Gefühl, dass ein Stück Kindheitserbe in talentierte Hände gelegt wird. Auch Finn Wolfhard macht seinen Job gut, wenn auch sein Stellenwert für die Handlung im Vergleich zu seiner „Filmschwester“ eher beiläufig erscheint.

So sehr ich Reitman für sein Fingerspitzengefühl gegenüber der sprichwörtlichen „Legacy“ applaudiere, die den deutschen Untertitel bildet, so sehr hatte ich jedoch mit den ersten 50 Minuten des Films zu kämpfen. 

Während im Original-Ghostbusters bereits nach Punkt 30 Minuten der ikonische Satz „Egon, schalt mich ein!“ aus den Boxen dröhnt, läuft Ghostbusters: Afterlife erst nach fast doppelter Laufzeit auf spannende Geister-Action hinaus.

Das wäre nicht dramatisch, würde sich der Film die Zeit für die Entwicklung seiner Figuren nehmen. Allerdings entwickeln sich diese nach der Einführung nicht wirklich weiter. Phoebes Charakter als liebenswerter Wissenschafts-Nerd ist nach 10 Minuten gesetzt. Auch dass Trevor für die erste richtige Freundin in einem Diner putzen geht, muss man mir nicht mehr als einmal zeigen. 

Und dann wäre da noch Mutter Callie, deren Rolle sich die erste Stunde darauf beschränkt, ständig auf ihrem Vater herumzuhacken und sich von Dorfbewohnern erzählen zu lassen, welch ein Eigenbrödler er war. Paul Rudd nimmt hingegen die Rolle des Franchise-Fans und Exposition Guys ein, der unserem neuen Cast erklärt, wer denn die Ghostbusters eigentlich waren.

Die hat man nämlich aus unerklärlichen Gründen vergessen. Und auch die eigene Mutter lässt solch ein nicht unwichtiges Detail der eigenen Familiengeschichte lieber unter den Tisch fallen. Schade auch, dass es in Sachen Bösewicht nicht für einen neuen Schurken gereicht hat, sondern Reitman & Kenan hier die sichere Variante gewählt haben.

Hätte Ghostbusters: Afterlife die Ereignisse der ersten Stunde auf 30 Minuten gerafft, meine Wertung wäre sicherlich noch höher ausgefallen. Aber auch so ist Reitmans Requel eine gelungene Wiederbelebung des Franchise, welches im Gegensatz zu manch anderem Nostalgie-Cashgrab mit Respekt und Herz den Schritt in die nächste Generation meistert.

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