Climax ★★★★½

Liebe Kinder, wart ihr mal high? Eigentlich ist die Antwort auf diese Frage irrelevant. Nachdem ihr CLIMAX gesehen habt, werdet ihr schreiend davonlaufen, wenn man euch gegenüber bewusstseinsverändernde Substanzen erwähnt.

Noé schaffte es wieder mal den Rausch und dessen Folgen perfekt in einen abendfüllenden Film zu pressen. Dabei macht er überhaupt keinen Hehl ob seiner Vorbilder und Einflüsse. In den ersten zehn Minuten lächeln uns unter anderem VHS Cover von SUSPIRIA, UN CHIEN ANDALOU, SALÓ oder POSSESSION, sowie eine Biographie von Fritz Lang an.
Die Bilder und der Ton sprühen zu jeder Sekunde vor Extase und Kinetik. Es wird munter mit hektischen Bewegungen zu den Rhytmen von Thomas Bangalter in das Bild hinein und wieder hinausgetanzt, während Benoît Debie zwischenzeitlich wohl eine Zigarettenpause eingelegt hat. Generell verhält sich die Kamera stets konträr zu den Emotionen der Figuren. Sind sie in Partylaune, wird stillgehalten, suchen sie voller Verzweiflung Schutz in der niemals vorhandenen Isolation, gibt es die Debie-typische Entfesselung.

Wer selbst hiernach die Traumkombination aus Regisseur/DOP in Noé/Debie nicht sieht, anerkennt und keinen kleinen Altar bei sich zu Hause für die beiden Herren einrichtet, hat die Macht, Vielfältigkeit und ständige Neudefinierung des Mediums nicht erkannt. Zwei Meister ihres Fachs, die es erneut geschafft haben: Ich habe mich Hals über Kopf in den menschlichen Abgrund verliebt.

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