Cold War ★★★★½

Was tun, wenn man weder mit-, noch ohneeineinder kann? Wie sehr ist man selbst an der Miesere und der zum Scheitern verurteilten Liebe schuld? Was hätte man besser machen können? Ist mir das Leben und der Traum der anderen Partei wichtiger als mein eigenes?

Gesegnet mit einer der cleversten Mise en Scènes und nahezu perfekter Montage, schenkt uns Pawil Pawilkowski hier eines der schönsten Kinoerlebnisse des Jahres. (Die Superlative sind übrigens absolut gerechtfertigt, glaubt mir) Stellen sich die Figuren stumm mit dem Rücken gekehrt vor einen bildvereinnehmenden Spiegel, hat es weit mehr Aussagekraft als die massivste CGI-Explosion oder der größte Close-Up von Krokodilstränen. Entfesselt sich die Kamera bei einem Tanz in einer Pariser Bar, entwickelt es weit mehr Kinetik als jede noch so schön zusammengeschnittene Montage. Pawilkowski ist sich dessen durchaus bewusst und weiß mit messerscharfer Präzision und Vertrauen in das eigene Handwerk Emotionen jeglicher Art durch seine Bilder zu vermitteln. Ganz nebenbei könnte Joanna Kulig locker meine schauspielerische Neuentdeckung 2018 sein. (Sorry Vicky Krieps, aber du hast dir einen würdigen zweiten Platz verdient.)

Während ich, eher schlecht als recht, versuche eine Stunde nach dem Abspann meine lose umherschwirrenden Gedanken zu ordnen und eine halbwegs würdige Review zur schönsten und zugleich tragischsten Liebesgeschichte dieses Kinojahres niederzuschreiben (Sorry PTA, aber du hast dir einen würdigen zweiten Platz verdient), kullern auch weiterhin die Tränen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal beim Verlassen eines Kinosaals ein solch emotionales Wrack war.

Um es endlich auf den Punkt zu bringen: Ihr habt LA LA LAND, ich habe COLD WAR.

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