The Parade ★★★★

Ich liebe Filme die meine Heimat und deren erzkonservatives Gedankengut entlarven und auch in der westlichen Hemisphäre erhältlich sind. Srđan Dragojević versteht es wie kaum ein Zweiter die Zeichen der Zeit zu erkennen, dem eigenen Volk einen Spiegel vorzuhalten und dieses ganz nebenbei auch noch hervorragend zu unterhalten. Ja, die Figuren sind überzeichnet, beinahe nehmen sie gar karikatureske Züge an, aber PARADA soll so viele Menschen wie nur irgendmöglich erreichen.
Kudos für den Mumm aller Beteiligten hierfür. Um auf dem Balkan eine LGBTQ-Tragikkomödie auf die Beine zu stellen, die dem Patriarchat, der orthodoxen Kirche, dem Polizeiapparat und den Nationalisten der Nachfolgestaaten Jugoslawiens mit Nachdruck auf die Füße tritt, benötigt es - no pun intended - Eier aus Stahl.

Sicherlich könnte man sich über so manche filmischen Mechanismen echauffieren, aber bei einem Film, der auch weiterhin leider nicht an Bedeutung seiner dargestellten Themen verliert, muss man darüber hinwegsehen. Das cinephile Publikum sollte nicht das primäre Publikum sein, also warum sich darüber aufregen, dass hier kein hermetischer Kunstschinken erschaffen wurde. Vielleicht mag es aufgeschlossenen westlichen Augen ungewohnt und übertrieben erscheinen, aber die dargestellte Diskriminierung ist in diesem Ausmaß leider tatsächlich vorhanden und ich hoffe, dass Dragojević einen kleinen Beitrag leisten konnte, um zumindest ein paar Idioten zu bekehren.