Dune

Dune ★★★★★

Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht verließ ich heute Nachmittag den Kinosaal. Ich bedeckte mein Gesicht, nach Art der Fremen von Arrakis, mit einer Maske und machte mich, unrhythmischen Schrittes, auf zum nächsten eisernen Shai-Hulud und schlängelte mich durch die Großstadtwüste in Richtung meines Heimat-Sietch. Mein Verstand ruhte in der Gewissheit, dass all die Angst und all die Skepsis, die ich im Vorfeld verspürte, unbegründet war und Dune nicht nur eines der besten Kinoerlebnisse meines Lebens war, sondern auch eine würdige Verfilmung der Vorlage von Frank Herbert ist.

Dune ist episch, großartig, bombastisch, laut und leise, gemächlich, weit aber trotzdem nah. Oder kurz: Ein Meisterwerk.

Anders als die David Lynch-Version, die uns die Welt von Dune als fertiges Produkt vorsetzte, setzt Denis Villeneuve auf ein world-building, welches sich (ähnlich wie in den Büchern) organisch aus der Handlung und den Charakteren entwickelt und sicherlich für einige Fragezeichen sorgen wird, aber trotzdem die nötige Zeit aufbringt, um die zentralen Ideen Herberts zu erklären.

Wie auch schon in Arrival und Blade Runner 2049 ist das Sound Design wieder Weltklasse. Der Soundtrack von Hans Zimmer, diesmal zwar nicht so eingängig, untermalt jede Szene mit einem bedrohlichen Dröhnen und sorgt für die richtige Atmosphäre.

Das Set-Design, sicherlich inspiriert vom Brutalismus und hier und da vom Minimalismus, verleiht jeder Kulisse, jedem Kostüm eine gewisse Haptik, was einem das Gefühl gibt in eine echte, futuristische Welt abzutauchen, die eben nicht nur Requisite, sondern auch Akteur ist.

Man merkt an einigen Stellen, dass dieses Mal nicht Roger Deakins für die Kamera zuständig war, aber das tut den atemberaubenden Bildern, die Greig Fraser auf die Leinwand zaubert, keinen Abbruch.

Die Charaktere sind allesamt hervorragend besetzt, allen voran Rebecca Ferguson als Lady Jessica, die all das Lob, was ihr momentan zu Teil wird, mehr als verdient und die im Laufe der Handlung zu meinem ganz persönlichen Mahdi wurde. Anders als in vielen anderen Blockbustern erlaubt es Villeneuve seinen Darstellern und Darstellerinnen nicht nur einfach eine Story zu tragen, sondern richtig zu schauspielern.

Was bei Blade Runner 2049 misslang und einem Produzenten, mit Sorge in der Stimme, zum Ausspruch verleitete, den teuersten Art House Film in der Geschichte des Kinos erschaffen zu haben*1, gelingt Villeneuve bei Dune mit Bravour, nämlich die perfekte Symbiose aus Art House und Blockbuster. Vielleicht wird Dune die Kinolandschaft nicht dauerhaft verändern, aber das Echo, welches Dune hinterlässt wird sicherlich noch Jahrzehnte später zu hören sein. Ob Dune das nächste epische, cineastische Event à la Der Herr der Ringe wird, werden die Sequels zeigen, was auf jeden Fall bleibt ist der Gedanke, wie man all das, was man in 155 Minuten präsentiert bekommt, noch toppen kann. Und wer die Bücher kennt, der weiß, dass da noch einiges kommt.

Dune gehört auf die Leinwand und zwar auf die größte, die man finden kann. Ein Film, der unbedingt im Kino gesehen werden muss. Wer meint, dieses Epos auf dem heimischen Fernseher beim Streamingdienst des Vertrauens erleben zu müssen, wird, um es noch einmal mit David Lynch zu sagen, betrogen werden*2.


*1 www.indiewire.com/2018/02/denis-villeneuve-blade-runner-2049-wont-do-it-again-1201925567/
*2 www.youtube.com/watch?v=wKiIroiCvZ0

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