Dune

Dune ★★★½

Ich weiß über das Duniverse so gut wie gar nichts. Ich kenne weder die Buchvorlage noch die Lynch-Verfilmung. Im Vorfeld hab ich mir zwar ein Info-Video "Was geschah vor Dune" angesehen, aber mit der Neuverfilmung hatte das eigentlich eher weniger zu tun.
Trotzdem waren die Erwartungen hoch, allerdings nur aufgrund der Namen. Hätte irgendein NoName-Regisseur, mit einem vermeintlich schwächeren Cast, Dune umgesetzt, wären meine Erwartungen bei "schau ich mal rein" gewesen. Ähnlich wie ich zB Filme wie Valerien (der sogar Besson als Regisseur hat) oder John Carter noch nicht gesehen habe. Die hole ich dann irgendwann nach, haben aber keine Priorität und sind vieles, aber nicht mein Most-Wanted Film des Jahres.


Nun wird Dune aber von Villeneuve inszeniert, der für mich einer der besten aktuellen Regisseure ist und kein Film von ihm weniger als 4 Sterne bekommen hat. Zimmer hat für Dune Nolans Tenet abgesagt. Und wer dann noch nicht überzeugt ist, bekommt abschließend noch einen großartigen Cast mit Ferguson, Chalamet, Brolin, Isaac, Skarsgard und Zendaya.


Herausgekommen ist letztendlich ein guter Film, der aber trotzdem den hohen Erwartungen nicht gerecht wird, einige (unerwartete) Schwächen hat und Villeneuves schwächster Film bisher ist.
Positiv hervorzuheben sind für mich die gefühlte Spieldauer, 2,5 Stunden merkt man dem Film, trotz zähen Passagen kaum an, der Production Value und die Visuellen Effekte insgesamt. Das sieht alles ziemlich gut aus, aber hat meiner Meinung nach noch Potenzial nach oben. Die gefühlte Laufzeit könnte beim zweiten Mal ein Genickbruch sein, aber soweit bin ich jetzt noch nicht.
Die DarstellerInnen überzeugen, bleiben als Figuren relativ blass, was aber am Script liegt. Ferguson sticht noch am meisten heraus, während die Figuren von Momoa oder Brolin konturlos sind und die Beziehung zwischen ihnen und den 3 Atreidis kaum Tiefe besitzt. Meine Hauptprobleme liegen aber bei Chalamets Figur Paul. Ich verstehe seine Weinerlichkeit und Frustration zu Beginn nicht & trotz der langen Laufzeit kann ich seine spätere Charakterentwicklung nicht nachvollziehen. Ist er nun ein missverstandener 15-jährige oder der auserwählte Anführer? Gut ausgebildet im Kampf und Überleben oder einfach nur ein nichtsnutziger Anfänger? Ich hatte Probleme mich mit dieser Figur zu identifizieren.


Die visuellen Effekte sind auf einem hohen Niveau und auch auch das Sounddesign überzeugt. Die Action ist wohldosiert, aber völlig Höhepunkt frei. In der Hauptschlacht, wenn man es so nennen kann, passiert viel im Off und der Fokus liegt auf den Figuren, aber wirklich mitgefiebert habe ich zu keiner Sekunde.


Und obwohl der Film großartig aussieht, bleibt kein Shot länger hängen, vieles ist nur grau in grau und die Locations haben wenig Wiedererkennungswert. Fraser ist eben kein Van Hoytema oder so, der aus solchen Szenerien das Maximum herausholen kann.


Ebenfalls enttäuscht hat mich der Score. Das Haupttheme ist anstrengend und sonst bleibt nicht eine Melodie im Kopf. Der Zimmersche Bass ballert zwar ordentlich, aber im Vergleich zu Interstellar oder Inception wirkt er nur draufgedrückt und passt teilweise kaum zu den ruhigen Szenen. Von seinen Meisterwerken wie Gladiator oder The Thin Red Line, die ähnlich gelagert sind, ist Zimmer meilenweit entfernt.


Die Handlung fühlt sich an wie ein Prolog und obwohl das ganze episch und groß aufgezogen wird, lässt es sich auf Intrigen zwischen zwei Familien und einen Fädenzieher im Hintergrund herunterbrechen. Dazu kommt, dass ich das Konzept des "Spice" sehr willkürlich finde. Ein Gewürz, welches wie eine Droge wirkt, aber gleichzeitig für interstellare Reisen benötigt wird? Das klingt erstmal absurd und ich hoffe da wird noch weiter drauf eingegangen, denn nur als Aufhänger für die restliche Handlung ist mir das zu dünn.
Viele Orte werden eingeführt, aber das Universum fühlt sich dennoch klein und überschaubar an. Die Sets Dune sind zwar im ersten Moment beeindruckend, bieten aber über die lange Laufzeit gesehen sehr wenig Abwechslung. Dass das Wüstensetting nicht viel hergibt, ist nachvollziehbar, aber auch innerhalb der Anlage nutzt sich der Look schnell ab.


Zu jeder Sekunde spürt man, welchen Einfluss die Vorlage auf Filme wie Star Wars usw. gehabt hat. Dune setzt dies auch vermutlich gut um, allerdings ist das Universum für mich weiterhin schwer greifbar und ich fühle mich nach 2,5 Stunden ernüchtert. Nichtsdestotrotz ist Dune ein guter bis sehr guter Film. Er macht nichts besonders schlecht, aber die angesprochenen Punkte haben alle die hohen Erwartungen nicht vollständig erfüllt. Villeneuve hat mit BR2049 und Arrival zwei SciFi Meisterwerk abgeliefert und damit die Messlatte sehr hoch gelegt. Verglichen mit BR2049 schneidet Dune aber in allen Bereichen schwächer ab.

SawyerD7 liked these reviews

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