Spectre ★★½

Es ist ironisch, dass sich ein Franchiseeintrag vornimmt, die losen Fäden seiner Vorgänger zu einem kohärenten Ganzen zusammenzufügen, aber ausgerechnet am roten Faden seiner selbst scheitert.

SKYFALL in irgendeiner Hinsicht übertrumpfen zu wollen, das war von vorneherein klar, dass das ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen werden würde. Ein abgedroschene Solomission passt jedoch auch nicht unmittelbar zu Craigs Bond (was keinesfalls abwertend gemeint ist). Also wird sich eine Quasi-Fortsetzung all seiner zuvor absolvierten Auftritte aus den Fingern gesaugt, die etwaige Nebenplots der Vorgängerfilme unter einer Dachorganisation versammelt. Wirklich Sinn macht das bisher nur so halb, wirkt das meiste doch eher wie improvisiert denn als ausgeklügeltes Netzwerk, das zudem kaum eine wirkliche Bedrohnung ausstrahlt. Denn tatsächlich ist SPECTRE nichts anderes, als eine Hasenjagd durch die Geschichte von Craigs Bond, das zum Teil recht stimmig, zum anderen Teil aber unfassbar spontan geschrieben und zu gewollt erscheint. So grast der Film seine Plotpoints ab, nimmt sich elend viel Zeit, um die verstreuten Versatzstücke zusammenzusuchen und anschließend aneinanderzuhängen. Das Drumherum ist klassisch Craig-Bond, aber der etwas ausgefallenere "Twist" mit Waltz Figur passt eben doch nicht ganz zu ihm. Mir fehlte der Climax, der für die Strapazen zuvor belohnend wirkt. Ohne wirklich schlecht zu sein, ist SPECTRE leider auch kein großer Wurf geworden.

Erst in Hinblick auf den kommenden NO TIME TO DIE wirkt SPECTRE wie ein überlanger Vorfilm, der die ganze Aufbauarbeit leistet, um Craig dann in seinem letzten Auftritt hoffentlich gebührend zu verabschieden. Ich bin gespannt und hoffe inständig, dass es sich lohnt.